Gedanken zur sozialen Zeitqualität
Der Ausgang einiger Landtagswahlen hat das Potential, dass wir uns Sorgen machen und ängstigen: Parteien, die unappetitliche und menschenfeindliche Programme vertreten, bekommen viel Zulauf.
Dabei ist der gegenwärtige Aufschwung in eine ungute Richtung ja einfach auch ein Symptom all der tiefer liegenden Krisen – und nicht deren Ursache. Die Wurzel dieses Zulaufs in die falsche Richtung und seine Ursache ist, dass die Grundbedürfnisse viel zu vieler Menschen nicht mehr anerkannt werden: Das Grundbedürfnis nach angemessenem Wohnraum, nach einer auskömmlichen Existenz, nach ausreichend guter Versorgung im Krankheitsfall, im Alter und bei Bedürftigkeit, nach einem sicheren Arbeitsplatz, und auch unsere Friedenssehnsucht, unser Bedürfnis nach Gerechtigkeit und ausbalancierten Beziehungen zu anderen Ländern, unser Anliegen nach Gesundheit für die Gewässer und Meere, unsere Wünsche nach Wohlergehen für Bäume, Biotope, Tiere und der Erde. Alle diese existentiellen Anliegen laufen immer mehr (wenn auch nicht durchgehend) ins Leere. Allerdings zählen für viele Menschen die ökologischen Anliegen, obwohl sie unsere Lebensbasis betreffen, nicht wirklich. Gleichwohl gilt: Die Beschaffenheit und Qualität unseres Lebens auf dieser Welt ist in den letzten 25 Jahren immer mehr das Opfer von Gemeinwohl-schädigenden Interessen geworden, die immer mehr durchgesetzt worden sind. Dabei ist es uns nicht gelungen, dieser Schaden anrichtenden Entwicklung Einhalt zu gebieten. Dieser gefährliche Abbau an ganzheitlicher Lebensqualität und -sicherheit ist die eigentliche Wurzel, die zum Rechtsruck geführt hat.
Allerdings sind Anstrengungen gegen das Symptom der Ausbreitung von Parteien mit menschenfeindlichen Programmen nur bedingt geeignet, den Abwärtstrend beim Gemeinwohl aufzuhalten und die Orientierung am Gemeinwohl wieder stark zu machen. Das Naturgesetz und das Handwerk der Magie lehren uns, dass das Aktivsein „gegen“ etwas meist wenig erfolgversprechend ist und wir viel mehr bewirken, wenn wir unser Wünschen, unser Imaginieren und Handeln nicht auf das Bekämpfen, sondern auf positive Ziele und Werte ausrichten.
Die aktuelle Zeitqualität von Harmonie, Ausgleich und Balance führt uns dabei in genau diese förderliche Richtung.
Es geht um die Kraft des Guten. Und darum, uns in der Phase berechtigter Sorgen mit ihr zu verbinden, sie sich in uns selbst entfalten zu lassen und sie zu verbreiten. Die gute Nachricht ist, dass uns diese Kraft des Guten angeboren ist und es für uns natürlich und im Prinzip auch anstrengungslos geht, sie auszustrahlen. Von Erich Fromm1, der die Kraft des Guten – er nennt sie Biophilie – zeitlebens erforscht hat, wissen wir: Biophilie ist die allem Lebendigen innewohnende Urkraft. Sie hat die bemerkenswerte Fähigkeit, ganz von allein, also autonom, produktive Energie hervorzubringen. Sie strebt mit Macht danach, Leben zu erhalten und stellt sich Destruktivität entgegen. Die Biophilie hat darüber hinaus die Tendenz, sich unbegrenzt mit positiver Lebensenergie – wo immer sie auftritt – zu verbinden und sich zu vermehren. Die Kraft des Guten potenziert sich selbst fortwährend, indem sie sich synergetisch mit gleich wirkenden Kräften verbindet und dadurch steigert. Sie will sich verbinden und im Einklang sein. Sie will das Gute mehren, sie will sich überschreiten und ausbreiten.
Und jetzt, in diesen Tagen, wird diese Kraft des Guten in einzigartiger Weise von der kosmischen Zeitqualität genährt.
Verbinden wir uns jetzt mit ihr, strahlen wir sie aus und vertrauen wir auf sie. Auch wenn die Zeichen der Zeit auf Sturm stehen, auch wenn es mit wohlmeinendem Mitgefühl in der öffentlichen Atmosphäre erst mal bergab gegangen ist: Nichts kann uns davon abhalten, das Gute, das Lebens- und Menschenfreundliche zu nähren. Auf lange Sicht ist es die Kraft des Guten, die Kraft der Balance und des Ausgleichs, die Kraft der Harmonie, die sich immer neu verwirklichen will, neu erstarken will, die immer wiederkehrt.
Die Kraft des Guten hat einen langen Atem und sie steht auf unserer Seite. Immer.
Avesta
1 Erich Fromm: Die Seele des Menschen, 1964


