Nuss Meringe

Feurige Nuss-Meringe mit Erdbeer-Sahne

Litha lädt uns ein, unsere unterschiedlichen Wesensaspekte und Qualitäten zu schauen sowie liebevoll anzuerkennen, ja, uns in all unserem vielfältigen Sein zu lieben und dabei unsere Qualitäten nicht zu bewerten, nicht in zwei Häufchen „gut und schlecht“ aufzuteilen. Litha lädt uns ein, unsere unterschiedlichen Wesensaspekte in Liebe zu vereinen.

Denn tief in uns spüren und wissen wir, nur so entfalten wir uns hin zu unserer Einzigartigkeit, zu der Person, die wir wirklich sind – hin zu tiefem, glücklichem Sein. Und in diesem glücklichen Sein ist wiederum alles enthalten.

In der inneren Begegnung mit Litha ist dieses Dessert entstanden, ein Herz in Weiß-Rot-Schwarz oder „Nuss-Meringe und Erdbeere vereinen sich im Sahne-Bett mit einem feurigen Kuss“.

Haselnüsse verbinde ich mit der fürsorglichen Unterstützung der Ahnen, mit tiefer Weisheit im Verborgenen und auch ganz schlicht mit Haselnuss-Hecken in Italien. Die Kraft der Haselnüsse in das Gewand der luftig-knusprigen Meringe, der Jungen, einzubetten, erscheint mir stimmig. In der jungen Kraft birgt, zeigt sich das Alte.

Erdbeeren: saftig-sinnliche Süße, mmmh. Erdbeeren öffnen sich gerne für neue Erfahrungen, sie zeigen sich ziemlich unerschrocken, denn sie sind sich ihrer Größe, ihrer Stärke und Einzigartigkeit bewusst – sie sind wirkliche Königinnen.

Sahne: ja, wo lässt sich besser sein, was hüllt sanfter ein?

Nun das Feuer. Das Feuer erwartet uns im Dunklen, in der Alten. Die Alte erscheint uns nicht erst am Ende im fortgeschrittenen Alter. Die Alte ist das verbindende „und“ der Liebe, das Unerwartete, der Heilige Moment, das mutige Wagnis und das schallende Lachen. Das Dunkel – die Schokolade. Das Feuer: Cayenne-Pfeffer, Chili, Salz, Garam Masala. Das mutige Wagnis, wenn ihr in dieses süß-feurige Arrangement gleich einem Burger herzhaft entschlossen hineinbeißt und schallend lacht, wenn … ihr werdet wissen, was ich meine. Denn mit Gabel oder Löffel kommt ihr nicht weit und ein Messer – denkt gar nicht daran. Und ich bin sicher, euch geht es wie mir und nach dem Zubereiten und Genießen ist Litha in euch erwacht und die Heilige Hochzeit in euch vollzogen.

Merliana

Kornfeld mit Mohn

GÖTTIN FULLA, DIE GÖTTIN DER FÜLLE

In der Mittsommerzeit können wir Fulla, die Göttin der Fülle, in der Natur so intensiv wie sonst nie im Jahreskreis erleben. Jedes winzige Fleckchen Erdboden ist im Frühsommer von Kräutergrün und Blütenfülle bedeckt. Und lösen wir unseren Blick von der Erde, dann erscheinen die Stauden und Büsche in berauschender Blütenfülle, und die Düfte der Rosen, Lilien und von Yasmin und all den anderen Kindern der Fulla umschmeicheln uns. Heben wir dann unseren Blick zu den Bäumen, betört uns der beglückend-trostreiche Lindenduft, noch ehe wir die Blüten der Linde erkennen.

Fulla ist die jüngere Verwandte der Göttin Freya, sie kommt aus der Welt der Asen, aus der nordischen Tradition. Sie hat lange, lichtvolle wehende Haare, ihre Juwelen sind die Tautropfen auf den Wiesen, ihr Gewand sind die von Juwelentau benetzten Spinnweben. Sie ist der Inbegriff weiblicher Jugendschönheit. Fulla ist es, die in ihrem überströmenden Wohlwollen für die Menschen Segen und Reichtum spendet. Fulla ist Reichtum und Überfluss, der ganz von allein entsteht und sich einfach verschenkt. Fulla schenkt ihren Anhängerinnen ein sinnliches und leichtes Leben in Fülle. Fullas magisches Wirkzeug ist das Füllhorn, das mit seinen Gaben alle beschenkt, nicht nur die Reichen und Wohlhabenden, sondern Alle. Sie lässt uns erfahren, wie Reichtum und Fülle nicht wie im Kapitalismus durch Aneignung des Mehrwertes, durch Ausbeutung und Plünderung angesammelt werden. Sondern dass Reichtum und Fülle ein Ausdruck der natürlichen Ordnung des Universums ist, der sich ganz von allein dann manifestiert, wenn wir in Harmonie und Einklang leben.

Fulla drückt das wesentlichste Prinzip der mütterlichen Ordnung aus: die Selbstverständlichkeit des Schenkens und Beschenktwerdens. Die Natürlichkeit des einfachen Gebens. Fulla schafft zwischen uns Menschen und der Mutter Erde ein elementares Gefühl des Verbundenseins, das uns über Dankbarkeit für ihre Gaben zutiefst mit der Mutter Erde verbindet. Fulla webt das soziale Band, die Bindung zwischen Menschen und unserer Mutter Erde.

Sie lädt uns ein, es ihr gleich zu tun, indem auch wir in den sozialen Räumen, in denen wir Einfluss haben, die Kultur des Schenkens wieder aufbauen. Indem wir von ihr lernen, können wir all den unsichtbaren Reichtum, der sich in den Falten und Nischen des Alltags versteckt hat, entdecken und erkennen und weiterschenken. Denn Fulla ist auch die Göttin des unentdeckten Reichtums

Göttin Fulla ist es, die hinter dem Sinn und Geheimnis unserer Ethik des Schenkens auf dem Weg der Weisen Frauen steht.

Avesta

Bild: Bidget

In einen Kreis gelegte Rosenblüten

Rosenblütenwirken

In Momenten von Ängsten und Unsicherheiten schenkt uns dieses Rosenblütenwirken Schönheit und Kraft. Es verbindet uns mit der Liebe und lädt damit die Fülle in unser Leben ein. Besonders magisch wirkt es am Ufer eines Sees, wo das Seewasser als kraftvolle Verbündete mit einbezogen werden kann.

Vorbereitung:

Jede Frau bringt Rosen oder Rosenblätter mit: Wenn es möglich ist, besorgt Gartenrosen oder Duftrosen und legt sie um eine große Schale mit frischem Quell- oder Seewasser. Diese Schale wird eure Mitte sein.

Wirken:

Erschafft euch einen geschützten, heiligen Raum, ladet die Elemente und die Göttin ein und bittet um Segen und Schutz. Stellt euch um die Schale, die mit all den mitgebrachten Blüten umrundet ist. Stimmt euch mit einem Lied ein oder summt in vielstimmigen Tönen. Lasst die Melodie verklingen und nehmt euch von den Rosen oder Blütenblättern, haltet sie an euer Herz und nach der Reihe oder jede aus ihrem Impuls heraus gibt nun die Rosenblätter in die Wasserschüssel mit segnenden Worten. Ihr segnet alles, was euch nährt und was ihr nährt, was euch Liebe schenkt oder wo ihr Liebe schenkt. Ihr gebt die Fülle des Lebens mit den Rosenblüten in das Wasser.

Hier einige Beispiele:

  • Ich segne die Liebe, die ich für meine Kinder in mir trage.
  • Ich segne den Vogelgesang und die Freude, die er in mir weckt.
  • Ich segne meinen Arbeitsplatz, an dem ich Unterstützung erfahre.
  • Ich sehne mein Singen in der Abenddämmerung
  • Ich segne meine Schwester, die mir so oft ein liebevolles Wort schenkt.

Bis alle Segnungen ausgesprochen sind und die Schüssel gefüllt mit Blüten in eurer Mitte steht. Vertieft die Energie, indem ihr nun gemeinsam eure Hände in das Rosenwasser haltet. Spürt, wie die segensreichen Worte, die Fülle und die Energie der Rosenblätter in euch nachwirken.

Je nach Ort könnt ihr:

Im Haus: euch sanft mit dem Wasser bestreichen und die nährende Energie, das Wasser, sinnlich über die Haut reiben;

Im Freien: könnt ihr euch gegenseitig mit dem Wasser bespritzen und das Ritual zu einem sinnlichen, freudvollen Spiel werden lassen.

Eine andere Möglichkeit ist, die Schale gemeinsam in den See zu gießen und dann in dem Rosenblütenblätter-See zu schwimmen. Besonders magisch ist dies im Mondlicht.

Zum Abschluss findet euch zusammen im Kreis ein, singt oder summt ein Lied, bedankt euch gemeinsam für das Erlebte bei den Elementen und der Göttin. Danach ist es nährend, mit einem gemeinsamen Essen, einem Glas Saft oder Wein den Abend ausklingen zu lassen.

Bridget

Rosenblüten
Astrologisches Bild für Krebs von Michaela Goldschmidt-Kleine

Die Heilige Hochzeit

Die Heilige Hochzeit ist ein uraltes, archetypisches Bild, welches sich über Jahrtausende hinweg in Mythen und spirituellen Lehren findet. Sie steht für die Vereinigung von Polaritäten und für den heiligen Moment der Liebe, in dem wir frei vom Ego uns hingeben und vereinen. Dabei wird durch die Vereinigung sich ergänzender Gegensätze, im schöpferischen Prozess, etwas Drittes neu erschaffen (z.B. Frau und Mann erschaffen ein Kind).

Sichtbar zeigt sich der schöpferische Prozess jetzt im Wachstum der prallen Natur, denn es ist die Zeit der Fruchtbildung. Und die Göttin, so heißt es, vollzieht die Heilige Hochzeit mit dem Land an der Mittsommernacht, wenn die wilden Freudenfeuer und lebensfrohen Feste die kosmische Energie der Sonne feiern. In diesem magischen Moment verbinden wir uns auch mit der Mondkraft, mit der Nacht. Denn der Höhepunkt der Sonne ist auch ihr Wendepunkt: Selbst wenn der Sommer erst beginnt, werden die Tage wieder unmerklich kürzer. Für unsere Vorfahrinnen war das Fest der Fülle zutiefst verbunden mit der Heiligen Hochzeit und der Wende, in der wir uns im klaren Bewusstsein des Lichts der Nacht hingeben und uns für das Mysterium der Liebe öffnen.

Heute richten wir uns vor allem nach dem Licht aus, doch für unsere Ahnen war die Dunkelheit ebenso heilig. Sie war das Symbol der Gebärmutter, aus der alles Leben hervorgeht – der Schoß der Großen Mutter, die das ganze Universum gebar und durch ihre Liebe nährt. Und so ehrten unsere Ahnen am längsten Tag auch die kürzeste Nacht, die Dunkelheit und die Begegnung mit der Mondkraft.

Diese kosmische Vereinigung finden wir auch in der Astrologie: Am 21. Juni betritt die Sonne das Wasserzeichen Krebs und die Mondgöttin betritt die Bühne, die Herrin der Zyklen des Lebens. Sie ist es, mit der wir Frauen zutiefst verbunden sind, die uns mit ihren Zyklen im Lebensrad führt als Junge, Mutter und Alte und deren Rhythmus wir mit unserer Blutung folgen. Sie verkörpert das Empfangen, das Nähren, das Lösen, das schöpferische Potenzial. Ihre Energie erinnert daran, dass alles Wachstum aus der Verbindung der Liebe und Hingabe entsteht.

Die Sonnenkraft in ihrer höchsten Ausdehnung verbindet sich
an der „Heiligen-Hoch-Zeit“ mit der
Mondin und steht für die uralte Sehnsucht nach Ganzheit und Schöpfung.

Es berührt mich zutiefst, dass dieser kosmische Wendepunkt im weiblichen Wasserzeichen Krebs stattfindet. Astrologisch ist es die erste Begegnung nach dem Frühlingspunkt (nach Widder-Feuer, Stier-Erde, Zwilling-Luft) mit einem Wasserzeichen. Es beschreibt die kardinale Kraft, sich aktiv für die Gefühle, das Empfangen und die schöpferische Führsorge zu öffnen; bereit zu sein für die Hingabe an die Sippe oder Familie, an das Mitgefühl, an unser innerstes bedürftiges Kind und an die Basis, auf der alles ruht, die Mutterkraft.

Die große heilige Mondin regiert das Tierkreiszeichen Krebs
und steht am höchsten Punkt der Sonnenkraft.

Das kann gar nicht oft genug gesagt werden, nur müsste es noch in unseren Bauch, Herz und Kopf ganz ankommen, welch nährender Schatz dies für unser Menschsein bedeutet. Im höchsten Licht tritt die mütterliche Strahlkraft, Geborgenheit, Hingabe und Führsorge ins Zentrum – jene Kraft, die die Welt so dringend braucht. Für unsere Entwicklung können auch wir sie nutzen, denn die Mondin steht für unsere Seelenkraft. Jetzt, im warmen Licht der Sonne, können wir unsere verdrängten, verborgenen Teile aufspüren und liebevoll annehmen, und damit die „Heilige-Hoch-Zeit“ zur Ganzheit auch in uns selbst vollziehen. Und so wünsche ich zur Sommersonnwende:

Erlaube dem verborgenen Teil in deinem Inneren
mit der Sonne zu tanzen.

Drei Sonnwendbräuche

  • Glühwürmchen leuchten genau um die Mittsommernächte. Wer verliebt ist und Glühwürmchen in der Nacht der Sommersonnenwende sieht, dessen Liebe steht unter einem guten Stern.
  • Ein Sprung durch das Sonnwend-Feuer vertreibt böse Geister und stärkt Wachstum und Fruchtbarkeit. Einem Pärchen, das händchenhaltend den Sprung über das Feuer schafft, wird eine Hochzeit vorausgesagt.
  • Ein in der Mittsommernacht gezeugtes Kind soll besonders gesegnet sein.

Bridget

Bild:Bridget

Ostara Menü

Ostara … erzählt vom Frieden

Frieden in der Küche?! Welchen Geschmack, welche Farben, welche Gestalt hat Frieden in der Küche, auf den Tellern, am Tisch? Ist das sich Versammeln am Tisch, um gemeinsam zu speisen, ein Aspekt des Friedens, eine Einladung, eine Aufforderung für ein friedvolles Miteinander?

Frieden … ich gehe in Verbindung und nehme die Spur auf, die mich zu Mutter Erde führt. Aus ihrer Schöpferinnenkraft erwachsen so viele Lebewesen ganz unterschiedlicher Art und alle sind miteinander verbunden im Werden und Vergehen. Alle erhalten Raum, keine Wertigkeit geht von Mutter Erde aus. Verankere ich mich in ihr bzw. mit ihr, binde ich mich ein, so spüre ich ihre tiefe Liebe zum Leben, zu all ihren Seinsweisen. Die Liebe von Mutter Erde beginnt mich zu durchströmen. Rote Beete, Rahne, tiefe rote Kraft, weich und gleichsam substanziell. Ingwer bringt die feurige Energie mit hinein, lustvoll vollzieht sich Schöpfung. Lauch strebt empor, Wachstum beginnt, langsam wandelt sich das erdige Wintergrün in das erfrischende Sommergrün. Speisemorcheln gehören zu den Frühlingspilzen. Kumquats bringen die Frische und ihr Orange verbindet uns mit unserer Inspiration, mit unserer Kreativität und ja, auch mit unserer Begeisterungsfähigkeit. Und diese Kräfte benötigt es, sich für den Frieden einzusetzen, Frieden zu leben, trotz aller Herausforderungen. Und im Annehmen der Unterschiedlichkeiten, im Annehmen von dunklen und lichtvollen Aspekten in mir, fühle ich Frieden – ein wohliges, sich ausbreitendes Seinsgefühl. Dieses Empfinden findet Ausdruck in der Safranpasta, die sich im Essen mal mit der roten Erdentiefe verbindet und mal mit der Grünkraft. Das Leben ist bunt im Frühling und diese Buntheit, die Mutter Erde der Welt immer wieder aufs Neue schenkt, birgt in sich die Botschaft des Friedens. Es gilt, dass wir unser Herz für diese Botschaft öffnen und diese in die Welt tragen. Und wenn wir uns zu einem gemeinsamen Mahl um den Tisch versammeln, ist dies ein wunderschöner und köstlicher Anfang.

Idee für ein Menue: Ich habe dieser Speise selbstgebackenes Knäckebrot mit Bärlauchbutter sowie einen bunten Salat mit frischem Löwenzahn zur Einstimmung auf den Frühling vorangestellt. Fürs Dessert haben sich Ostaras Eier mit Sahne und dunkler Schokolade zu einer Mousse au Chocolat verbunden.

Mögen diese Ideen eure Schöpferinnenimpulse nun erweckt haben und ihr so vergnüglich eure Inspiration kulinarisch umsetzen.

Merliana

Merliana - Safran Pasta Rot Grün

Bilder: Merliana

Löwenzahn

Frühlingsgöttin VESNA

Diejenigen, die sich mit dem Weltgeschehen beschäftigen, müssen seit den Tagen nach dem 28. Februar fassungslos erleben, wie die Kriegsherren innerhalb kürzester Zeit einen Flächenbrand im Mittleren Osten entfacht haben. Allerdings: Schon seit ein paar Jahren wird jede neue menschengemachte Katstrophe von der folgenden noch getoppt. Ein unfassbar furioser patriarchaler Backlash will so viel wie möglich einfach nur noch vernichten. Dass auch die europäischen Regierungen in ihrem moralischen Verfall zu diesem Vorgehen schweigen, gehört dazu. Das Patriarchat nennt das alles „Zeitenwende“ – eine Parole, durch die Sinn und Verstand an den Kriegswahn gewöhnt werden soll.

Aber wir werden uns niemals daran gewöhnen. Und so nehmen wir den Blick weg vom Weltgeschehen auf das Naturgeschehen und zu unserem matriarchalen Wissen, das uns Orientierung geben will in Krisenzeiten.

Wir verbinden uns mit dem, was uns Lebensenergie und Zukunftsfreude schenkt.Und das ist diesen Tagen des werdenden Frühlings die uralte slawische Frühlingsgöttin VESNA. VESNA ist in den slawischen Sprachen die poetische Beschreibung des Frühlings. Sie ist die Inkarnation von Schönheit und Großherzigkeit. Die liebliche VESNA erhebt sich – so erzählen die slawischen Mythen – Anfang März aus der winterfeuchten Erde, und bezaubert alles mit ihrer Schönheit und Lebensfreude. Durch ihre Schönheit kann sie die Sonne wieder hervorlocken. Sie befreit die Bäche im Frühling vom Eis, bringt sie ins Fließen. Ihre Botin ist der Löwenzahn, ein Sonnengeschöpf, und eine wunderbare Heilpflanze. Uns Menschen lässt VESNA nach den dunklen, schweren Zeiten der Winterstarre wieder in den Fluss des Lebens eintauchen, bringt Kraft, Begeisterung für das Neue und Harmonie in das Leben zurück, stärkt die Gesundheit der Menschen und lockt nach alter Erfahrung in den Menschen Güte und Sanftmut hervor. Sie inspiriert und berauscht mit ihrer Musik, erweckt die Liebe in den Herzen der Menschen und ruft zur Zusammenarbeit für das Gute.

Heute will VESNA uns dabei helfen, in dieser Zeit der politischen Katastrophen nie zu vergessen, dass eine andere Welt möglich ist, und dass Menschen zu wohlmeinender Güte fähig sind. Sie will uns aus der bequemen Verzagtheit, in Anbetracht der rohen Gewalt sei doch alles aussichtslos, wieder herausführen. Sie zeigt uns, dass die Risse in den Festungen des Patriarchats immer größer werden, und dass die Kräfte des Aufbruchs in eine andere Welt wie die Graswurzeln unter der Erde unaufhaltsam-wuchern.

Und nun setze dich auf den Boden zu einem Löwenzahn. Aus ihm flüstert VESNA:

Ich bin die Kraft, die alle Dunkelheit besiegt und das Leben wieder aufblühen lässt. Ich habe Leben, Schönheit, Licht und Liebe für ALLE: Immer kehre ich zurück mit der Kraft des Neuen, und mit mir das Leben. Blicke in mein leuchtend gelbes Sonnenlichtgesicht, lass dich durch mich heilen und in die Fülle zurückführen! Richte dich gleich mir auf und strecke dich der Sonne zu, richte dich aus an ihrem Licht.

Avesta

Bild: AnaNut

Weidenkätzchen

Die Zartheit der Weidenkätzchen

Jedes Jahr aufs Neue erfreue ich mich an den weichen, kuscheligen Weidenkätzchen, die manchmal schon im Februar oder März erscheinen. Ihre frühen Pollen sind für viele Tiere, insbesondere Bienen und Hummeln, eine wichtige erste Nahrungsquelle. Mit ihrer zeitigen Blüte sind sie ein Symbol für das Erwachen der Natur nach dem langen, kalten Winter.

Jetzt, da die Lichtkräfte immer stärker werden, ist der Aufbruch, das frische Grün, die unbändige Lebenskraft so deutlich spürbar und doch bei all dem wilden, unbändigen Heraustreten, sind für mich die Weidenkätzchen gleichzeitig Sinnbild von Zartheit und Nähren. Die flauschigen, silbrig-grauen Blütenstände, liebevoll „Kätzchen“ genannt, erinnern mit ihrer Form und Weichheit an kleine, sanfte Tierpfötchen. Der neue Lebensimpuls der Weide ist so voller sanfter Schönheit, und mir kommt der Gedanke, vielleicht braucht es gerade jetzt Mut und Kraft, sich „für das zarte im Leben“ einzusetzen – für die Pflanzen, für die Tiere, für die Gemeinschaft, für all das, was uns nährt, weich ist und verbindet.

Wir haben im Frühling die kosmische Unterstützung dazu, mit Mut und Wildheit ins Leben zu treten, uns heraus zu wagen. Diese Kraft brauchen wir, denn die Kälte kann unverhofft zurückkehren und wir müssen manchmal Rückschläge hinnehmen. Mit dem Frühlings-Impuls können wir immer wieder aufstehen und der Kälte trotzen. Das Heraustreten braucht Schutz sowie starke Willenskraft, so ist das Wilde und das Sanfte beides wichtig. Sichtbar auch im Nestbau der Vögel, die für ihre Eier und das neue Leben ein kuscheliges Heim bauen. Zu Ostara mache ich für mein rotes Ei solch ein Nest, gebe Moos und die weichen Weidenkätzchen hinein. So bette ich meinen Wunsch für das neue Lichtjahr liebevoll und lade das Ei gleichzeitig mit der Knopsen-Energie der Weide auf.

Weidenkätzchen waren immer schon magisch und für unsere Ahnen von großer Kraft. So hat der heidnische Brauch des Palmwedels in der Kirche am Palmsonntag überlebt. Hier werden um die Weidenzweige mit ihren Kätzchen Buchsbüschel, gefärbte Eier, Bänder usw. gebunden. Dieser Palmwedel wird geweiht, gesegnet und mit lebendigem Quellwasser aufgeladen. Wie in alten Zeiten wird damit Haus und Hof geschützt. Früher wurden die Wedel auch zusammen mit der Kohle vom Osterfeuer in die Ecken der Felder hineingesteckt oder vergraben, um die Erde fruchtbar zu machen.

Die Weide selbst steht seit Urzeiten mit der Mondin und der weiblichen Kraft in Verbindung, sowie mit Heilung, Magie und Biegsamkeit. Wenn du für diesen wunderbaren Baum einen Platz in deinem Garten findest, dann bitte eine Weide um einen Zweig, steck ihn in die Erde oder in eine Vase mit Wasser – er wird wurzeln und wachsen. Zu dir kommt dann ein Baum/Strauch, der dich mit der Mondkraft verbindet, dich mit seinen Kätzchen sanft streichelt und dir Eingebungen schenkt, wenn du dem Wind in der Weide lauschst. Sie ist eine „Augenweide“ voller Lebenskraft und nützlich zugleich. Zu beachten ist, dass sie unter Naturschutz steht. Und zwischen dem 1. März und dem 30. September dürfen Sträucher grundsätzlich nicht beschnitten oder entfernt werden, zum Schutz der Nistplätze und der Rückzugsräume für unsere Schwestern aus der Tierwelt.

Bridget

Bild: AnaNut

Teller mit Rotkohlsalat mit weißem Bohnenpüree

Merlianas Rezept zu Imbolc:

Rotkohlsalat mit weißem Bohnenpüree

In der Rauhnachtszeit stand mir Baba Yaga oft zu Seite. In ihrem Haus fühlte ich mich wohlig und geschützt, wenn es draußen tobte. Sie forderte mich mal sanfter und mal vehementer auf, das Gewand meiner Wildheit anzulegen und ja, sie schickte mir die Ahnung des rohen Rotkohls, der sich mit der Orange verbindet. Die Ahnung begleitete mich als Wolke und ich suchte den Blick nach unten gerichtet währenddessen den weißen unberührten Schnee.

Weißer unberührter Schnee, weißes unbeschriebenes Papier, weiß, liegt die Ahnung darunter oder darin für das Auge verborgen? Braucht es Mut, Achtsamkeit, Neugierde, Offenheit, Zartheit, Entschlossenheit für den ersten Schritt, das Aufsetzen des Stiftes? Lehne dich zurück, schließe die Augen – bist du bereit, deiner Ahnung zu lauschen? Offen für das, was sich dir zeigen, offenbaren möchte? Was durch dich, mit dir Gestalt annehmen möchte?

Die Ahnung in Gestalt des Rotkohls blieb an meiner Seite und flüsterte mir immer wieder zu, dass Weiß manchmal auch Violett trägt. So nehme ich ein weißes Brett anstelle des weißen Schnees und folge der Ahnung, setze die ersten Schritte entschlossen und überlasse der Ahnung die Führung. Im Violett des Rotkohls ist alles in Verborgenheit enthalten, was sich langsam entfalten wird. Mit dem Orange der Orange kommt das zartmilde wiedererwachte Licht. Das Weiß des Meerrettichs entzündet das Feuer des Neubeginns und ist bereit, den Winter zu gegebener Zeit hinfort zu schicken. Durch das liebevolle Massieren wird der Rotkohl weicher und gewinnt an Zartheit, verbindet sich mit der Orange und dem Meerrettich. Das Bohnenpüree ist der Boden, das weiche Bett für das neue Wachsen. Die Birne verleiht dem Püree eine dezente Süße und der Knoblauch den Akzent für das Spannungsfeld … So vieles ist möglich, und die Richtung, was sein wird, ist noch nicht klar konturiert. Kürbiskerne und ihr Öl, die Botschaft der Herzgrünkraft in und um uns. Ob die Kürbiskerne grob gehackt mit in den Rotkohlsalat kommen oder die feingehackten Haselnüsse aufs Bohnen-Püree ist deine Entscheidung, ebenso die Art der Präsentation. Folge deiner Ahnung …

Das Gericht lässt sich wunderbar auch einen Tag vorher vorbereiten und mitnehmen, wohin auch immer. Was dazu sonst noch passt? Ein wunderbar kräftiges Roggen- oder Bauernbrot. Mmh – dazu könnt ihr, wenn ihr der veganen Linie folgt, eine Margarine aufschlagen und sie mit zum Beispiel gehackten Kürbis- und Haselnusskernen würzen.

Merliana

Link zum Rezept (PDF)

Bäume im Schnee

Lichtmess

Unser nächstes Fest auf dem Jahresrad ist das Fest der weißen Göttin: Lichtmess.

Dieses Fest hat neben der astrologischen und spirituellen Bedeutung im Lauf der Zeit ganz unterschiedliche Schwerpunkte und unterschiedliche Inhalte. Ein paar davon will ich euch vorstellen:

Zuerst einmal Imbolc

Imbolc ist ein Fest der Stille, und bedeutet „im Bauch“. Im Sinne von „noch ist alles im Bauch von Mutter Erde“. Alle Samen liegen noch wohlbehütet in ihrem warmen Schoß, aber mit zunehmender Helligkeit und Wärme regen sich die Elementarwesen und die Fruchtbarkeitsgeister. Sie räkeln und dehnen sich und steigen aus der Erde. Allen voran der Bär! Der zottige Gefährte der weißen Göttin. Er ist noch recht steif, schlaftrunken und hungrig und steckt an Imbolc zum ersten Mal seine Nase aus der Höhle, um zu sehen, wie weit der Frühling schon gediehen ist. Er hält Ausschau nach seiner Braut, der Frühlingsgöttin, denn der Bär ist kein anderer als der wiedergeborene, noch verhüllte jugendliche Sonnengott.

Schlenkerltag

Der 2. Februar war auch Schlenkerltag, der Tag, an dem Dienstboten ihren Arbeitsvertrag beendeten oder noch einmal erneuern konnten. Bis zum Antritt der zum Beispiel neuen Arbeitsstelle gab es Schlenkerlweil-Freizeit, in der man feierte und fröhlich war. Damals besiegelte ein schlichter Handschlag ohne schriftliche Vereinbarung die Arbeitsverträge, welche immer verlangten, ein volles Jahr zusammenzubleiben.

Lichtmess war also auch ein wichtiger Tag im Wirtschaftsjahr. Ein Zahl- und Zinstermin wie auch an Martini. Wer von den Mägden und Knechten gehen wollte, sagte dem Bauern Bescheid und verließ den Hof.

Kerzenfest

Früher wurden in der Winterzeit aus dem Talg der im Herbst geschlachteten Tiere Unschlitt-Kerzen gefertigt. Auch die kostbaren Wachskerzen entstanden in Heimarbeit während des Winters. Zu Lichtmess wurden die neu gefertigten Kerzen dann geweiht. Das Wachs von an Lichtmess geweihten Bienenwachskerzen hat eine hohe Schutzkraft und bringt Licht und Freude, denn es enthält das sanfte Licht des Sommers.

Bridget oder Brigid

Die brennende Kerze symbolisiert das neuerwachte Licht – und die keltische Feuergöttin Brigid.

Brigid ist die Beschützerin des neugeborenen Lebens. In der keltischen Tradition wird von Sonnenuntergang des 1. Februar bis zum Sonnenuntergang des 2. Februar das Fest der Göttin Brigid mit großen Feuern gefeiert.

Brigid und Maria Lichtmess

Die Kelten begrüßten Brigid mit einem Feuerfest und befragten das Orakel.

Auch Probe-Ehen für ein Jahr wurden an diesem Tag geschlossen.

So beliebt war die holde Göttin, die Dichterinnen, Heilerinnen und Zauberer gleichermaßen inspiriert, dass selbst die Christen nicht auf ihr Fest verzichten mochten. Sie tauften das Imbolc-Fest in Maria Lichtmess um.

 Schneeweißchen und Rosenrot

Schneeweischen und Rosenrot

Ihr alle kennt sicherlich das Märchen „Schneeweißchen und Rosenrot“. Lest es nocheinmal durch. Der Bär bleibt in der Tür hängen und unter seinem Pelz verborgen leuchtet Gold, denn es steckt ein junger Prinz darin – der junge Sonnenkönig.

Und die beiden Mädchen „Schneeweißchen“ und „Rosenrot“ verkörpern, wie ihr symbolträchtiger Name schon besagt, die junge Göttin Brigid. Ja und die alte Mutter, die dem Bären im Winter Zuflucht gewährt hatte, ist niemand anderes als die alte Erdmutter, die Frau Holle oder auch Frau Percht.

Wenn wir die alten Märchen mit diesem Wissen lesen, sehen wir, wie auf ganz versteckte Weise das alte Wissen und Kulturgut weitergetragen wurde.

Wachrütteln von Bäumen und Pflanzen

Wer hellsichtig genug war, konnte Brigid auf einem Hirsch reiten sehen, wie sie die Samen weckte und die Bäume wachrüttelte, sodass die Säfte wieder zu fließen begannen. Sie verkörpert die Kräfte des Ostens und des neuen Morgens.

Storl schreibt: „Noch immer gibt es alte Bauern, die am Lichtmesstag ihre Obstbäume wachrütteln und den Bienen im Stock die frohe Botschaft verkünden.“

Nach Brigid wurden Flüsse und Städte benannt: Bregenz, Brigantia, Braganca in Italien, Brig in Wallis, die Ebene Brega in Irland. Der Bär, der die Fruchtbarkeit bringt, und die Bienen, aus deren Waben goldgelbe Kerzen gemacht werden, sind die Lieblingstiere der weißen Brigid.

Rhiannon

Lichtreflexe in einem Bach im Winter

Farbe Weiß

Weiß ist die Farbe des Lichtes, welches jetzt zu Lichtmess beziehungsweise Imbolc spürbar zurückkehrt. Weiß wie die zauberschöne Schneedecke und die ersten Schneeglöckchen, die sich nun zeigen. Als an Imbolc Geborene liebe ich das Weiß, das neue Licht und damit die neuen Möglichkeiten und Visionen. Denn wenn das Licht im Schnee sich bricht, werden alle Farben wie im Regenbogen sichtbar.

Doch was ist die Bedeutung von Weiß? Wie wirkt diese Farbe auf uns und welche Assoziationen verbinden wir mit ihr?

Weiß gehört zu den sogenannten unbunten Farben, ebenso wie Schwarz und Grau. Im Gegensatz zu Schwarz, das als Abwesenheit von Licht alle Farben absorbiert, ist Weiß eine Lichtfarbe, in der alle Farben und damit alle Möglichkeiten enthalten sind. Wie ein unbeschriebenes Blatt, frisch und rein, ist Weiß ein Sinnbild für den zarten Neubeginn, für Reinheit, Unschuld und neue Inspirationen. In diesem Sinne steht bei den drei Seinsweisen im Frauenleben das Weiß für die junge Mondsichel, die ihren Zyklus neu beginnt – gleich der jungen Frau. Sie hat die Frische der Jugend und die Freiheit, offen, neugierig und ungebunden ins Leben zu treten.

Gleichzeitig ist Weiß das Symbol der Reinheit des Geistes und steht für die höchste Erleuchtung, für das Heilige – das Licht, in dem alle Weisheit (alle Farben) enthalten sind. Spirituelle Lehrerinnen oder Gurus wie Amma tragen weiße Kleidung aus diesen Gründen. Weiß steht zudem für Frieden und Harmonie. So ist die Friedenstaube, die Botin der Venus, weiß, genauso wie die Friedensfahne, die Auseinandersetzungen beendet. Weiß ist das Licht am Lebensbeginn, wenn wir den mütterlichen Schoß verlassen und unser Leben neu vor uns liegt. Und ins weiße Licht gehen wir hinein, mit aller Weisheit unseres Lebens, am Ende unseres Seins.

In Räumen kann das Weiß groß und offen auf uns wirken und steht für Ruhe, Weite und Klarheit. Ist alles in Weiß getaucht, wie eine schneebedeckte unberührte Winterwelt, so können wir neben der Ruhe auch Leere, Kühle und Kälte empfinden. 

Zusammenfasend ist Weiß eine Farbe des Neubeginns, der Offenheit, Klarheit, Reinheit, Weite und Ruhe. Sie steht zudem für Licht und Erleuchtung, für Frieden und Harmonie und wenn wir überhitzt sind, kann sie uns herunterkühlen.

Jetzt, zu Lichtmess, ist die Erde teilweise noch schneebedeckt und in jedem Fall kalt. Noch kann die Muttererde keine Samen aufnehmen. Die Samen, die wir jetzt setzen können, sind von geistiger Natur. Es sind unsere neuen Visionen, die in der Lichtfarbe Weiß das gesamte Farbspektrum finden, um neu zu denken. Die Klarheit und der Frieden, die im Weiß wirken, mögen dabei ein hilfreicher Fokus sein. 

Bridget