Rote Beete-Carpaccio

Einladung zum kulinarischen Erntedank

Zu Mabon werden wir eingeladen, auf all das in Dankbarkeit zu schauen, was wir empfangen, geerntet haben und ja, auch auf die Saat zu blicken, welche nicht aufgegangen ist. Und die Botschaft der Balance darin zu erkennen, anzuerkennen.

Manches Mal gelingt es nicht so leicht, eine nicht aufgegangene Saat zu verabschieden, loszulassen – wir fühlen einen Schmerz, der noch Aufmerksamkeit benötigt. Manches Mal wirkt es dann balsamisch heilend, gemeinsam mit jemandem dem Schmerz Aufmerksamkeit zu schenken. So kam diese Speise zu mir, diese Variante eines Rote-Beete-Carpaccio. Sie ist nicht von mir kreiert. Dieses Carpaccio hat Gino für mich bereitet, während ich ihm von einer Saat erzählte, die nicht aufgegangen ist.

Mit einem Essen beschenkt zu werden, ist Seelennahrung, die ich in Dankbarkeit empfangen kann, wie ich gleichfalls in Dankbarkeit jemand mit einem Essen beschenken kann – eine Erfahrung der Balance, die Maat lehrt.

Beim Genießen der Speise hielt und wiegte mich die Rahne (badischer Name für Rote Beete), die uralte Ahne, mit ihrer Mütterlichkeit in ihren Armen. Die Crema, von der die Rahne umhüllt ist, erzählt von der Süße, dem Herben, den Facetten des Lebens und dass es an uns ist, all dem einen würdevollen Raum zu geben – letztlich uns selbst liebevoll zu würdigen. Das Gelb der Mirabellen gleicht der wärmenden, stärkenden Sonne – mit ihrem Licht weicht die Dunkelheit. Das Weiß des Tomas erinnert, dass der Neubeginn wartet, die Lebens- und Seinsfreude wieder tanzen möchte: die Crema.

Gino, der Koch dieses Gerichts, ist Italiener und lehrt mich einmal mehr, dass es nicht viele Zutaten für ein köstliches Gericht benötigt und die Qualität der Zutaten wesentlich für das Geschmackserleben ist. Wie immer könnt ihr variieren, doch probiert es aus bei der Qualität der Zutaten keine Kompromisse einzugehen.

Merliana

Bild: Merliana

Trauben mit Kürbis und Maronen

Ein besonders schöner Ritualabend

War das ein Hitze-Sommer! Gut, dass nun die Tag- und Nachtgleiche mit kühleren Nächten da ist und hoffentlich die Wolken auch mal Regen bringen. Die Menschen haben für uns Vögel zwar Trinkschalen aufgestellt, aber da muss ich immer aufpassen wegen deren Katze. Aber mich bekommt sie nicht! Selbst als sie mal den hohen Holunderbaum fast bis zu meinem Schlafplatz rauf ist, hat sie mich schnelle Taube nicht erwischt. Ätsch. Nur ein paar Federn musste ich lassen, aber die wachsen nach.

Einmal habe ich mich getraut und mich den zwei Frauen, die dort wohnen, ganz nah gezeigt und mich auf den Wasserschalenrand gesetzt als Dankeschön. Die haben sich dann auch darüber gefreut und meine Schönheit bewundert. Die Katze war nach meinem Auftritt fix und fertig, dass ich mich das getraut hatte.

Da ich den Menschen ja durchaus zugewandt bin, habe ich sie nun auch bei ihrem Erntedank-Ritual beobachtet. Immer auch die Katze im Blick. Das war mal wieder sehr interessant! Zuerst haben sie sich gegenseitig ihre Aura mit Wasser besprüht und damit so richtig durchgespült. Danach glitzerten die fünf Frauen richtig und waren viel unbeschwerter, als sie gekommen sind. Nach ihrem Kreisaufbau und ihren Anrufungen war die Welt um sie herum eine andere: Sie standen irgendwie in einem anderen Raum als wir alle draußen rundherum, die wir so interessiert zuschauten: die Bäume, die Kräuter, das Gemüse, die Mäuse und das kleine Volk – ja, klar, und auch ich von meinem Ulmenast herunter.

Die Menschenfrauen setzten sich um ihre Mitte, in der lauter mitgebrachte Früchte lagen: Trauben, frühe Äpfel, Birnen, letzte Zwetschgen und langweiliges Gemüse, das mich nicht weiter interessierte. Und jede von ihnen nahm nach und nach eine kleine Frucht zu sich und sprach darüber, was sie in diesem Jahr erkannt, von sich selbst gelernt und geschenkt bekommen hat. Da waren die Frauen ganz bei sich selbst, ihre Glitzeraura wurde dicht und schmal und Mutter Erde umhüllte sie mit ihrer Kraft. Nachdem jede ihre kleinen Früchte aufgegessen hatte sagen sie ein Dankeslied zusammen und das Innere ihres Kreises wurde ganz wirbelig und bunt von der Energie jeder Einzelnen. Das war immer das Schönste: wenn sich die Frauenenergien bunt vermischten – das passierte oft beim Singen oder beim Kreisaufbauen. Ich plusterte mich auf und schüttelte mein Gefieder vor lauter Wohlsein und Gänsehaut, auch wenn ich ja eine Taube bin. In der Mitte stand auch eine Schüssel mit Wasser, das diese Energie aufsaugte. Das ist ja das Tolle an Wasser: ständig kann es Energie aufnehmen und sich so verändern. Beneidenswert. Das Wasser wurde in Fläschchen verteilt zu jeder Frau, die es sich in ihre Tasche oder ihren Gürtel steckte. Sie wollten es in die Welt hinaus tragen in verschiedene Gewässer, die dann diese guten Energien verbreiten sollten. Das klappt sicherlich, dachte ich mir!

Dann kam eine andere Bewegung in den Kreis: Die Frauen legten einen Stock auf der Erde parat. Und eine jede stellte sich mit dem einen Bein auf die eine und dem anderen Bein auf die andere Seite des Stocks. Ich dachte schon, sie wollten ihn hochnehmen und damit hexenmäßig losfliegen. Da wäre ich glatt mitgeflogen! Aber nein, sie schlossen die Augen und fühlten in den Übergang und die Balance hinein, die an der Tag- und Nachtgleiche besteht. Ein Bein im hellen Sommer, ein Bein im dunkler werdenden Herbst. Ich konnte die verschiedenen Seiten so richtig sehen – hell und dunkel. Irgendwann sind sie dann auf die Herbst-Seite gestiegen und schauten, was sie dort wohl erwartete. Die Menschen brauchen da oft ein Werkzeug weil sie nicht so klar sehen können wie ich und sie nahmen die hübschen runden Tarotkarten dazu. Ich finde ja: Lass kommen, was kommt. Aber die Menschen wollen halt immer gerne wissen, was kommt. So sind sie eben.

Beim Auflösen des Kreises waren die Frauen wieder ganz in unserer Welt, aber die Farben und Strömungen des Kreises liefen in ihren eigenen Schwingungen zu uns allen, die zugeschaut hatten. Die Bäume und Kräuter reckten sich geradezu danach, das kleine Volk sprang fröhlich zwischen den Farbwellen hin und her, um sie zu erwischen, und Mutter Erde nahm sie mit einem wohligen Einatmen auf. Ich flog flatternd am Rand auf den Boden und wickelte auch noch ein paar schöne Farbwellen um meine Federn.

Zum Ritualgelage der Frauen kam dann die Katze immer näher und ich flog lieber wieder auf meinen Holunderbaum zum Weiterträumen. Sie lassen später ja immer Brotkrümel und Früchte da, damit auch ich mir etwas picken kann. Das gefällt mir.

AnaNut

Weißdornhecke

Mein Dank für das Nährende in Gemeinschaften

Die dicken roten Beeren an meinem Weißdorn sind ein schönes Sinnbild für meine Ernte. Dieser wunderschöne Baum in meinem Garten mit seiner herzstärkenden Kraft spiegelt die vielen Geschenke des Sonnenjahrs für mich wider. Ich bin zutiefst dankbar über wunderbare Begegnungen, erlebnisreiche Reisen und gemeinschaftliches Wirken.

Der Weißdorn ist eine ideale Schutzpflanze, er verbindet sich tief mit der Erde und seine wehrhaften Dornen lassen das Grauen nicht durch. Er steht für geschützten Raum in schweren Zeiten, der jetzt so gut tut. Ja, mein Herz ist gestärkt im Rückblick und ich möchte ein paar prallrote Weißdornbeeren herausheben: die Früchte von gelebter Gemeinschaft.

Weißdornbeere -30 Jahre Frauennetzwerk  

Mandala aud Blüten und Kräutern
Bild: Bridget, 30 Blüten/Kräuter zum 30-Jährigen

Beim Ritual zum Frauendreißiger am 15. August gestalteten wir mit 30 Blüten und Kräutern ein Mandala: ein Ausdruck für unsere gemeinsame ehrenamtliche Arbeit mit Kursen, Lesungen, Workshops und Ritualen für Frauen. Jede Blume und jedes Kraut eine Erinnerung an das, was wir gemeinsam erschaffen, wenn viele Frauen ihre Ideen und Beiträge einbringen: ein lebendiges Kunstwerk, das unsere Gemeinschaft und unser Engagement sichtbar machte.

Weißdornbeere – Kraftrituale zu den drei Seinsweisen im Frauenleben

AnaNut, Bridget, Kallisto, Kalunka Sorisia und Wunja vor dem Roll-Up der Göttinenkonferenz
Bilder: Kalunka Sorisia

Wir, AnaNut, Bridget, Kallisto, Kalunka Sorisia und Wunja, kreierten diesen Workshop, an dem zirka 40 Frauen auf der Göttinnen-Konferenz 2026 teilnahmen. Schon unser Erschaffen gestaltete sich leicht, ideenreich und mit Freude. Dann, im Workshop, die aus uns sprudelnde, spontane Kreativität, das Einspüren und Mitschwingen, war für uns alle ein nährendes Erleben. Wir berührten die teilnehmenden Frauen und unser Wirken fand sehr großen Anklang.

Weißdornbeere –Ritualteam bei der Göttinnen-Konferenz

Ritualteam auf der Göttinenkonferenz 2026
Bild: Göttinnen-Konferenz

Bei der ersten Göttinnen-Konferenz 2024 traf und gestaltete ich mit diesen wunderbaren Frauen bereits die Rituale. Wir kamen aus unterschiedlichen Himmelsrichtungen, mit verschiedenen spirituellen Wurzeln, zutiefst vereint in dem Wirken für Mutter Erde, Frauenkraft und Heilung. In den folgenden Jahren schrumpften wir von neun auf sechs Frauen zu einem nährenden Kern. Zweimal trafen wir uns in Österreich und gemeinsam entstand unser Wirken für den rituellen Rahmen der Göttinnen-Konferenz 2026. Die Energie fließt so unglaublich wohltuend zwischen uns, so leicht und dennoch voll Tiefe und Zuwendung, eine Jede in ihrer Kraft sichtbar. Das Thema „Wasser“ kam zu uns und 180 Frauen füllten ihr mitgebrachtes Wasser aus allen Richtungen der Welt und schütteten es in den großen Kupferkessel. Gesegnet und aufgeladen geht er nun mit jeder Frau wieder hinaus, möge sich dieser Segen und unser Wirken in die Welt tragen.

Kreis im Ritual

Der Weißdorn stärkt das Herz und schon unsere Vorfahren aus der Jungsteinzeit verspeisten diese nahrhaften Beeren und nahmen sie als Kraftnahrung für den Winter. Meine Nahrung ist die Fülle all dieser Geschenke gelebter Verbundenheit, die mich tragen werden durch die dunkle Jahreszeit.

Bridget

Sonnenblumen, Trauben, Hargebutten und Kürbis

Das Nicht-Gelingen, der Misserfolg und die Kraft des Guten

Gedanken zur sozialen Zeitqualität

Der Ausgang einiger Landtagswahlen hat das Potential, dass wir uns Sorgen machen und ängstigen: Parteien, die unappetitliche und menschenfeindliche Programme vertreten, bekommen viel Zulauf.

Dabei ist der gegenwärtige Aufschwung in eine ungute Richtung ja einfach auch ein Symptom all der tiefer liegenden Krisen – und nicht deren Ursache. Die Wurzel dieses Zulaufs in die falsche Richtung und seine Ursache ist, dass die Grundbedürfnisse viel zu vieler Menschen nicht mehr anerkannt werden: Das Grundbedürfnis nach angemessenem Wohnraum, nach einer auskömmlichen Existenz, nach ausreichend guter Versorgung im Krankheitsfall, im Alter und bei Bedürftigkeit, nach einem sicheren Arbeitsplatz, und auch unsere Friedenssehnsucht, unser Bedürfnis nach Gerechtigkeit und ausbalancierten Beziehungen zu anderen Ländern, unser Anliegen nach Gesundheit für die Gewässer und Meere, unsere Wünsche nach Wohlergehen für Bäume, Biotope, Tiere und der Erde. Alle diese existentiellen Anliegen laufen immer mehr (wenn auch nicht durchgehend) ins Leere. Allerdings zählen für viele Menschen die ökologischen Anliegen, obwohl sie unsere Lebensbasis betreffen, nicht wirklich. Gleichwohl gilt: Die Beschaffenheit und Qualität unseres Lebens auf dieser Welt ist in den letzten 25 Jahren immer mehr das Opfer von Gemeinwohl-schädigenden Interessen geworden, die immer mehr durchgesetzt worden sind. Dabei ist es uns nicht gelungen, dieser Schaden anrichtenden Entwicklung Einhalt zu gebieten. Dieser gefährliche Abbau an ganzheitlicher Lebensqualität und -sicherheit ist die eigentliche Wurzel, die zum Rechtsruck geführt hat.

Allerdings sind Anstrengungen gegen das Symptom der Ausbreitung von Parteien mit menschenfeindlichen Programmen nur bedingt geeignet, den Abwärtstrend beim Gemeinwohl aufzuhalten und die Orientierung am Gemeinwohl wieder stark zu machen. Das Naturgesetz und das Handwerk der Magie lehren uns, dass das Aktivsein „gegen“ etwas meist wenig erfolgversprechend ist und wir viel mehr bewirken, wenn wir unser Wünschen, unser Imaginieren und Handeln nicht auf das Bekämpfen, sondern auf positive Ziele und Werte ausrichten.

Die aktuelle Zeitqualität von Harmonie, Ausgleich und Balance führt uns dabei in genau diese förderliche Richtung.

Es geht um die Kraft des Guten. Und darum, uns in der Phase berechtigter Sorgen mit ihr zu verbinden, sie sich in uns selbst entfalten zu lassen und sie zu verbreiten. Die gute Nachricht ist, dass uns diese Kraft des Guten angeboren ist und es für uns natürlich und im Prinzip auch anstrengungslos geht, sie auszustrahlen. Von Erich Fromm1, der die Kraft des Guten – er nennt sie Biophilie – zeitlebens erforscht hat, wissen wir: Biophilie ist die allem Lebendigen innewohnende Urkraft. Sie hat die bemerkenswerte Fähigkeit, ganz von allein, also autonom, produktive Energie hervorzubringen. Sie strebt mit Macht danach, Leben zu erhalten und stellt sich Destruktivität entgegen. Die Biophilie hat darüber hinaus die Tendenz, sich unbegrenzt mit positiver Lebensenergie – wo immer sie auftritt – zu verbinden und sich zu vermehren. Die Kraft des Guten potenziert sich selbst fortwährend, indem sie sich synergetisch mit gleich wirkenden Kräften verbindet und dadurch steigert. Sie will sich verbinden und im Einklang sein. Sie will das Gute mehren, sie will sich überschreiten und ausbreiten.

Und jetzt, in diesen Tagen, wird diese Kraft des Guten in einzigartiger Weise von der kosmischen Zeitqualität genährt.

Verbinden wir uns jetzt mit ihr, strahlen wir sie aus und vertrauen wir auf sie. Auch wenn die Zeichen der Zeit auf Sturm stehen, auch wenn es mit wohlmeinendem Mitgefühl in der öffentlichen Atmosphäre erst mal bergab gegangen ist: Nichts kann uns davon abhalten, das Gute, das Lebens- und Menschenfreundliche zu nähren. Auf lange Sicht ist es die Kraft des Guten, die Kraft der Balance und des Ausgleichs, die Kraft der Harmonie, die sich immer neu verwirklichen will, neu erstarken will, die immer wiederkehrt.

Die Kraft des Guten hat einen langen Atem und sie steht auf unserer Seite. Immer.

Avesta

1 Erich Fromm: Die Seele des Menschen, 1964

Regenbogen

Mabon – Erntedank

Waage-Zeit! Die Zeit der Fülle und der Ernte. Und: die Zeit, in der unsere Vormütter ihre großen Volks- und Gerichtsversammlungen abhielten. Was würden sie in der heutigen Zeit vor Gericht bringen?

Würden sie sich – wie wir – an der Ernte aus der Natur freuen? An Zwetschgen, Äpfeln, Tomaten, Getreide und in manchen Gärten sogar Feigen. Alles von der Sonne verwöhnt oder von der Sonne verbrannt? Würden sie ein Umdenken beim CO2-Ausstoß fordern? Würden sie einen anderen Umgang mit den Ressourcen von Mutter Erde anmahnen?

Würden sie die Veränderung in der Natur, die Gletscherschmelze, die Bergrutsche, den Wassermangel als mahnendes Zeichen benennen?

Würden sie – wie wir – die kriegerischen Auseinandersetzungen auf unserer Welt verdammen?

Würden sie die Hybris der großen TechBrothers (und der kleineren Politiker) benennen und verdammen?

Sicher, das würden sie tun!! Sie würden ein Machtwort sprechen und drakonische Strafen verhängen. Die Waagschale der Göttin würde sich einseitig nach unten neigen. Aber – sie sind die Vormütter, längst vor uns gegangen – und nun sind wir es, die ein Machtwort sprechen müssen. Die handeln müssen. Wir müssen unsere Visionen und Ideen in die andere Waagschale werfen, damit sie wieder ins Gleichgewicht kommt. Das große Thema von Mabon: Balance, Gleichgewicht.

Vieles ist aus der Balance geraten, im Denken der Menschen, in ihrem Handeln, durch ihre Gier, durch ihre Angst. Dem müssen wir begegnen und das können wir: Wir können auf der spirituellen Ebene wirken, in Liebe sein, und wir können auf der praktischen Ebene wirken, so wie es jeder von uns möglich ist. Wichtig ist dabei das Erkennen, das Aufmerken, die Augen nicht verschließen vor dem, was von uns gefordert wird. Das ist unbequem, aber ohne Alternative.

Und nicht vergessen: Ein anderes Thema von Mabon ist die Freude – die Freude an dem, was wir ernten dürfen. Die Freude an den schönen Tagen, die wir genossen haben. Die Freude an Begegnungen im Freien, die langen Sommerabende … Das dürfen wir nicht vergessen. Das ist es, was uns Kraft gibt und unsere innere Waagschale wieder in Balance bringt.

Dorothee Sölle, die große evangelische Theologin hat einmal gesagt: „Vergesst die Farben des Regenbogens nicht!!“

Er ist aus Licht und Wasser gemacht, gründet auf der Erde, erstreckt sich hoch in den Himmel. Damit hat er die 4 Elemente in sich vereinigt.

Und er zeigt uns 7 Farben, die Farben des Sonnenlichts, die Vielfalt.

Er zeigt uns die Schönheit der Göttin.

Rhiannon

Bild: Merliana

Nuss Meringe

Feurige Nuss-Meringe mit Erdbeer-Sahne

Litha lädt uns ein, unsere unterschiedlichen Wesensaspekte und Qualitäten zu schauen sowie liebevoll anzuerkennen, ja, uns in all unserem vielfältigen Sein zu lieben und dabei unsere Qualitäten nicht zu bewerten, nicht in zwei Häufchen „gut und schlecht“ aufzuteilen. Litha lädt uns ein, unsere unterschiedlichen Wesensaspekte in Liebe zu vereinen.

Denn tief in uns spüren und wissen wir, nur so entfalten wir uns hin zu unserer Einzigartigkeit, zu der Person, die wir wirklich sind – hin zu tiefem, glücklichem Sein. Und in diesem glücklichen Sein ist wiederum alles enthalten.

In der inneren Begegnung mit Litha ist dieses Dessert entstanden, ein Herz in Weiß-Rot-Schwarz oder „Nuss-Meringe und Erdbeere vereinen sich im Sahne-Bett mit einem feurigen Kuss“.

Haselnüsse verbinde ich mit der fürsorglichen Unterstützung der Ahnen, mit tiefer Weisheit im Verborgenen und auch ganz schlicht mit Haselnuss-Hecken in Italien. Die Kraft der Haselnüsse in das Gewand der luftig-knusprigen Meringe, der Jungen, einzubetten, erscheint mir stimmig. In der jungen Kraft birgt, zeigt sich das Alte.

Erdbeeren: saftig-sinnliche Süße, mmmh. Erdbeeren öffnen sich gerne für neue Erfahrungen, sie zeigen sich ziemlich unerschrocken, denn sie sind sich ihrer Größe, ihrer Stärke und Einzigartigkeit bewusst – sie sind wirkliche Königinnen.

Sahne: ja, wo lässt sich besser sein, was hüllt sanfter ein?

Nun das Feuer. Das Feuer erwartet uns im Dunklen, in der Alten. Die Alte erscheint uns nicht erst am Ende im fortgeschrittenen Alter. Die Alte ist das verbindende „und“ der Liebe, das Unerwartete, der Heilige Moment, das mutige Wagnis und das schallende Lachen. Das Dunkel – die Schokolade. Das Feuer: Cayenne-Pfeffer, Chili, Salz, Garam Masala. Das mutige Wagnis, wenn ihr in dieses süß-feurige Arrangement gleich einem Burger herzhaft entschlossen hineinbeißt und schallend lacht, wenn … ihr werdet wissen, was ich meine. Denn mit Gabel oder Löffel kommt ihr nicht weit und ein Messer – denkt gar nicht daran. Und ich bin sicher, euch geht es wie mir und nach dem Zubereiten und Genießen ist Litha in euch erwacht und die Heilige Hochzeit in euch vollzogen.

Merliana

Kornfeld mit Mohn

GÖTTIN FULLA, DIE GÖTTIN DER FÜLLE

In der Mittsommerzeit können wir Fulla, die Göttin der Fülle, in der Natur so intensiv wie sonst nie im Jahreskreis erleben. Jedes winzige Fleckchen Erdboden ist im Frühsommer von Kräutergrün und Blütenfülle bedeckt. Und lösen wir unseren Blick von der Erde, dann erscheinen die Stauden und Büsche in berauschender Blütenfülle, und die Düfte der Rosen, Lilien und von Yasmin und all den anderen Kindern der Fulla umschmeicheln uns. Heben wir dann unseren Blick zu den Bäumen, betört uns der beglückend-trostreiche Lindenduft, noch ehe wir die Blüten der Linde erkennen.

Fulla ist die jüngere Verwandte der Göttin Freya, sie kommt aus der Welt der Asen, aus der nordischen Tradition. Sie hat lange, lichtvolle wehende Haare, ihre Juwelen sind die Tautropfen auf den Wiesen, ihr Gewand sind die von Juwelentau benetzten Spinnweben. Sie ist der Inbegriff weiblicher Jugendschönheit. Fulla ist es, die in ihrem überströmenden Wohlwollen für die Menschen Segen und Reichtum spendet. Fulla ist Reichtum und Überfluss, der ganz von allein entsteht und sich einfach verschenkt. Fulla schenkt ihren Anhängerinnen ein sinnliches und leichtes Leben in Fülle. Fullas magisches Wirkzeug ist das Füllhorn, das mit seinen Gaben alle beschenkt, nicht nur die Reichen und Wohlhabenden, sondern Alle. Sie lässt uns erfahren, wie Reichtum und Fülle nicht wie im Kapitalismus durch Aneignung des Mehrwertes, durch Ausbeutung und Plünderung angesammelt werden. Sondern dass Reichtum und Fülle ein Ausdruck der natürlichen Ordnung des Universums ist, der sich ganz von allein dann manifestiert, wenn wir in Harmonie und Einklang leben.

Fulla drückt das wesentlichste Prinzip der mütterlichen Ordnung aus: die Selbstverständlichkeit des Schenkens und Beschenktwerdens. Die Natürlichkeit des einfachen Gebens. Fulla schafft zwischen uns Menschen und der Mutter Erde ein elementares Gefühl des Verbundenseins, das uns über Dankbarkeit für ihre Gaben zutiefst mit der Mutter Erde verbindet. Fulla webt das soziale Band, die Bindung zwischen Menschen und unserer Mutter Erde.

Sie lädt uns ein, es ihr gleich zu tun, indem auch wir in den sozialen Räumen, in denen wir Einfluss haben, die Kultur des Schenkens wieder aufbauen. Indem wir von ihr lernen, können wir all den unsichtbaren Reichtum, der sich in den Falten und Nischen des Alltags versteckt hat, entdecken und erkennen und weiterschenken. Denn Fulla ist auch die Göttin des unentdeckten Reichtums

Göttin Fulla ist es, die hinter dem Sinn und Geheimnis unserer Ethik des Schenkens auf dem Weg der Weisen Frauen steht.

Avesta

Bild: Bidget

In einen Kreis gelegte Rosenblüten

Rosenblütenwirken

In Momenten von Ängsten und Unsicherheiten schenkt uns dieses Rosenblütenwirken Schönheit und Kraft. Es verbindet uns mit der Liebe und lädt damit die Fülle in unser Leben ein. Besonders magisch wirkt es am Ufer eines Sees, wo das Seewasser als kraftvolle Verbündete mit einbezogen werden kann.

Vorbereitung:

Jede Frau bringt Rosen oder Rosenblätter mit: Wenn es möglich ist, besorgt Gartenrosen oder Duftrosen und legt sie um eine große Schale mit frischem Quell- oder Seewasser. Diese Schale wird eure Mitte sein.

Wirken:

Erschafft euch einen geschützten, heiligen Raum, ladet die Elemente und die Göttin ein und bittet um Segen und Schutz. Stellt euch um die Schale, die mit all den mitgebrachten Blüten umrundet ist. Stimmt euch mit einem Lied ein oder summt in vielstimmigen Tönen. Lasst die Melodie verklingen und nehmt euch von den Rosen oder Blütenblättern, haltet sie an euer Herz und nach der Reihe oder jede aus ihrem Impuls heraus gibt nun die Rosenblätter in die Wasserschüssel mit segnenden Worten. Ihr segnet alles, was euch nährt und was ihr nährt, was euch Liebe schenkt oder wo ihr Liebe schenkt. Ihr gebt die Fülle des Lebens mit den Rosenblüten in das Wasser.

Hier einige Beispiele:

  • Ich segne die Liebe, die ich für meine Kinder in mir trage.
  • Ich segne den Vogelgesang und die Freude, die er in mir weckt.
  • Ich segne meinen Arbeitsplatz, an dem ich Unterstützung erfahre.
  • Ich sehne mein Singen in der Abenddämmerung
  • Ich segne meine Schwester, die mir so oft ein liebevolles Wort schenkt.

Bis alle Segnungen ausgesprochen sind und die Schüssel gefüllt mit Blüten in eurer Mitte steht. Vertieft die Energie, indem ihr nun gemeinsam eure Hände in das Rosenwasser haltet. Spürt, wie die segensreichen Worte, die Fülle und die Energie der Rosenblätter in euch nachwirken.

Je nach Ort könnt ihr:

Im Haus: euch sanft mit dem Wasser bestreichen und die nährende Energie, das Wasser, sinnlich über die Haut reiben;

Im Freien: könnt ihr euch gegenseitig mit dem Wasser bespritzen und das Ritual zu einem sinnlichen, freudvollen Spiel werden lassen.

Eine andere Möglichkeit ist, die Schale gemeinsam in den See zu gießen und dann in dem Rosenblütenblätter-See zu schwimmen. Besonders magisch ist dies im Mondlicht.

Zum Abschluss findet euch zusammen im Kreis ein, singt oder summt ein Lied, bedankt euch gemeinsam für das Erlebte bei den Elementen und der Göttin. Danach ist es nährend, mit einem gemeinsamen Essen, einem Glas Saft oder Wein den Abend ausklingen zu lassen.

Bridget

Rosenblüten
Astrologisches Bild für Krebs von Michaela Goldschmidt-Kleine

Die Heilige Hochzeit

Die Heilige Hochzeit ist ein uraltes, archetypisches Bild, welches sich über Jahrtausende hinweg in Mythen und spirituellen Lehren findet. Sie steht für die Vereinigung von Polaritäten und für den heiligen Moment der Liebe, in dem wir frei vom Ego uns hingeben und vereinen. Dabei wird durch die Vereinigung sich ergänzender Gegensätze, im schöpferischen Prozess, etwas Drittes neu erschaffen (z.B. Frau und Mann erschaffen ein Kind).

Sichtbar zeigt sich der schöpferische Prozess jetzt im Wachstum der prallen Natur, denn es ist die Zeit der Fruchtbildung. Und die Göttin, so heißt es, vollzieht die Heilige Hochzeit mit dem Land an der Mittsommernacht, wenn die wilden Freudenfeuer und lebensfrohen Feste die kosmische Energie der Sonne feiern. In diesem magischen Moment verbinden wir uns auch mit der Mondkraft, mit der Nacht. Denn der Höhepunkt der Sonne ist auch ihr Wendepunkt: Selbst wenn der Sommer erst beginnt, werden die Tage wieder unmerklich kürzer. Für unsere Vorfahrinnen war das Fest der Fülle zutiefst verbunden mit der Heiligen Hochzeit und der Wende, in der wir uns im klaren Bewusstsein des Lichts der Nacht hingeben und uns für das Mysterium der Liebe öffnen.

Heute richten wir uns vor allem nach dem Licht aus, doch für unsere Ahnen war die Dunkelheit ebenso heilig. Sie war das Symbol der Gebärmutter, aus der alles Leben hervorgeht – der Schoß der Großen Mutter, die das ganze Universum gebar und durch ihre Liebe nährt. Und so ehrten unsere Ahnen am längsten Tag auch die kürzeste Nacht, die Dunkelheit und die Begegnung mit der Mondkraft.

Diese kosmische Vereinigung finden wir auch in der Astrologie: Am 21. Juni betritt die Sonne das Wasserzeichen Krebs und die Mondgöttin betritt die Bühne, die Herrin der Zyklen des Lebens. Sie ist es, mit der wir Frauen zutiefst verbunden sind, die uns mit ihren Zyklen im Lebensrad führt als Junge, Mutter und Alte und deren Rhythmus wir mit unserer Blutung folgen. Sie verkörpert das Empfangen, das Nähren, das Lösen, das schöpferische Potenzial. Ihre Energie erinnert daran, dass alles Wachstum aus der Verbindung der Liebe und Hingabe entsteht.

Die Sonnenkraft in ihrer höchsten Ausdehnung verbindet sich
an der „Heiligen-Hoch-Zeit“ mit der
Mondin und steht für die uralte Sehnsucht nach Ganzheit und Schöpfung.

Es berührt mich zutiefst, dass dieser kosmische Wendepunkt im weiblichen Wasserzeichen Krebs stattfindet. Astrologisch ist es die erste Begegnung nach dem Frühlingspunkt (nach Widder-Feuer, Stier-Erde, Zwilling-Luft) mit einem Wasserzeichen. Es beschreibt die kardinale Kraft, sich aktiv für die Gefühle, das Empfangen und die schöpferische Führsorge zu öffnen; bereit zu sein für die Hingabe an die Sippe oder Familie, an das Mitgefühl, an unser innerstes bedürftiges Kind und an die Basis, auf der alles ruht, die Mutterkraft.

Die große heilige Mondin regiert das Tierkreiszeichen Krebs
und steht am höchsten Punkt der Sonnenkraft.

Das kann gar nicht oft genug gesagt werden, nur müsste es noch in unseren Bauch, Herz und Kopf ganz ankommen, welch nährender Schatz dies für unser Menschsein bedeutet. Im höchsten Licht tritt die mütterliche Strahlkraft, Geborgenheit, Hingabe und Führsorge ins Zentrum – jene Kraft, die die Welt so dringend braucht. Für unsere Entwicklung können auch wir sie nutzen, denn die Mondin steht für unsere Seelenkraft. Jetzt, im warmen Licht der Sonne, können wir unsere verdrängten, verborgenen Teile aufspüren und liebevoll annehmen, und damit die „Heilige-Hoch-Zeit“ zur Ganzheit auch in uns selbst vollziehen. Und so wünsche ich zur Sommersonnwende:

Erlaube dem verborgenen Teil in deinem Inneren
mit der Sonne zu tanzen.

Drei Sonnwendbräuche

  • Glühwürmchen leuchten genau um die Mittsommernächte. Wer verliebt ist und Glühwürmchen in der Nacht der Sommersonnenwende sieht, dessen Liebe steht unter einem guten Stern.
  • Ein Sprung durch das Sonnwend-Feuer vertreibt böse Geister und stärkt Wachstum und Fruchtbarkeit. Einem Pärchen, das händchenhaltend den Sprung über das Feuer schafft, wird eine Hochzeit vorausgesagt.
  • Ein in der Mittsommernacht gezeugtes Kind soll besonders gesegnet sein.

Bridget

Bild:Bridget

Ostara Menü

Ostara … erzählt vom Frieden

Frieden in der Küche?! Welchen Geschmack, welche Farben, welche Gestalt hat Frieden in der Küche, auf den Tellern, am Tisch? Ist das sich Versammeln am Tisch, um gemeinsam zu speisen, ein Aspekt des Friedens, eine Einladung, eine Aufforderung für ein friedvolles Miteinander?

Frieden … ich gehe in Verbindung und nehme die Spur auf, die mich zu Mutter Erde führt. Aus ihrer Schöpferinnenkraft erwachsen so viele Lebewesen ganz unterschiedlicher Art und alle sind miteinander verbunden im Werden und Vergehen. Alle erhalten Raum, keine Wertigkeit geht von Mutter Erde aus. Verankere ich mich in ihr bzw. mit ihr, binde ich mich ein, so spüre ich ihre tiefe Liebe zum Leben, zu all ihren Seinsweisen. Die Liebe von Mutter Erde beginnt mich zu durchströmen. Rote Beete, Rahne, tiefe rote Kraft, weich und gleichsam substanziell. Ingwer bringt die feurige Energie mit hinein, lustvoll vollzieht sich Schöpfung. Lauch strebt empor, Wachstum beginnt, langsam wandelt sich das erdige Wintergrün in das erfrischende Sommergrün. Speisemorcheln gehören zu den Frühlingspilzen. Kumquats bringen die Frische und ihr Orange verbindet uns mit unserer Inspiration, mit unserer Kreativität und ja, auch mit unserer Begeisterungsfähigkeit. Und diese Kräfte benötigt es, sich für den Frieden einzusetzen, Frieden zu leben, trotz aller Herausforderungen. Und im Annehmen der Unterschiedlichkeiten, im Annehmen von dunklen und lichtvollen Aspekten in mir, fühle ich Frieden – ein wohliges, sich ausbreitendes Seinsgefühl. Dieses Empfinden findet Ausdruck in der Safranpasta, die sich im Essen mal mit der roten Erdentiefe verbindet und mal mit der Grünkraft. Das Leben ist bunt im Frühling und diese Buntheit, die Mutter Erde der Welt immer wieder aufs Neue schenkt, birgt in sich die Botschaft des Friedens. Es gilt, dass wir unser Herz für diese Botschaft öffnen und diese in die Welt tragen. Und wenn wir uns zu einem gemeinsamen Mahl um den Tisch versammeln, ist dies ein wunderschöner und köstlicher Anfang.

Idee für ein Menue: Ich habe dieser Speise selbstgebackenes Knäckebrot mit Bärlauchbutter sowie einen bunten Salat mit frischem Löwenzahn zur Einstimmung auf den Frühling vorangestellt. Fürs Dessert haben sich Ostaras Eier mit Sahne und dunkler Schokolade zu einer Mousse au Chocolat verbunden.

Mögen diese Ideen eure Schöpferinnenimpulse nun erweckt haben und ihr so vergnüglich eure Inspiration kulinarisch umsetzen.

Merliana

Merliana - Safran Pasta Rot Grün

Bilder: Merliana