Zwei Frauen halten einen Hexenbesen in die Luft

Hexenbesen

Der Hexenbesen, sowie das Wort Hexe, ist zutiefst mit Beltane, Walpurgis und dem Tanz auf dem Blocksberg verbunden. Wenn die sinnlichen Blütendüfte im Mai uns ins Freie und zum Lieben locken, wenn die Trommeln uns rufen, der ekstatische Tanz um das Feuer beginnt, dann kommen die Hexen auf ihren Besen geflogen, um zu feiern – so heißt es…?

Nun, auf dem Besen fliegen, das habe ich noch nicht geschafft, doch der fröhliche Tanz mit bunten Bändern um einen selbstgebauten Besen, ist uns ein lieb gewordener Brauch an Beltane. Wir binden unsere Frauenkraft, die Lebenslust, das Genährtsein und den Schutz beim Tanz hinein. Wir verbinden uns dabei mit der Schönheit, der so sinnlichen, frischen, hellgrünen Natur und wirken für das sich jetzt verwurzelnde Leben.

Auf Dorffesten findet sich der Tanz um den Maibaum wieder, ein Fest der Sinnlichkeit der Verbindung von Mann und Frau, dem die Kirche nur die Verunglimpfung der Frau als böse Hexen entgegensetzen konnte. Doch er ist geblieben, der Maientanz, und die Walpurgisnacht und der Hexenbesen.

Der Besen an sich ist unser Alltagswerkzeug, mit ihm kann alles Alte, aller Dreck hinweggefegt werden. „Hinweggefegt“ – welch wunderbares Zauberwort. Ich kehre und fege und dann ist es „hinweg“! Das ist Magie! Wenn wir im Bewusstsein des „Hin-weg-fegens“ von Schmutz und negativen Energien wirken, ist der Besen uns ein gutes Wirkzeug, welches die materielle, sichtbare Welt mit der spirituellen Dimension verbindet und uns einen Alltagszauber in die Hände gibt.

Und so findet sich weltweit im Brauchtum die Fähigkeit des Besens, die bösen Geister zu vertreiben, wie z.B. der Brauch, nach einer Geburt das Zimmer gut auszufegen und so das Neugeborene zu schützen und die unerwünschten Geister zu vertreiben. Der aufgestellte Besen vor der Haustür bewacht die Schwelle und keine negative Energie kann dann hineinkommen.

Ein alter heidnischen Brauch ist es, als Hochzeitspaar über einen Besen zu springen. Hier zeigt sich ein weiterer Aspekt seiner Kraft: Der Besen mit seinem Stiel und dem Birken- oder Haselreisig, steht symbolisch für die Verbindung des Weiblichen mit dem Männlichen, das wir im Maibaum mit dem Kranz (weiblich) um den Maibaumstab (männlich) wiederfinden.

Beim „Besensprung“ stärkt das Paar seine Verbindung und das Glück und den Schutz für die Liebesbindung, sowie die Fähigkeit, negative Energien zu vertreiben.

So denk daran, wenn du deinen Besen schwingst, dass er dir mit dem richtigen Schwung Glück, Schutz und gereinigte Räume schenkt! Es macht einen wunderbaren Unterschied im Gebrauch des Besens, die energetisch, magische Kraft mit hineinzugeben oder/und hineinz sprechen …

Besen, Besen kehr mit mir

Dämonen und Geister weichen dir …

Bridget

Bäume auf einer Wiese

Eine kleine Geschichte zu Walpurgis

Leise und voller Spannung setze ich meine weichen Pfoten voreinander im dunklen Garten, meine Sinne sind scharf wie meine Krallenspitzen. Heute ist die besondere Nacht! Meine Haut zuckt über den angespannten Rückenmuskeln und lässt mein Fell sich sträuben, hrrr. Alles vibriert in mir, meine Schnurrhaare sind aufgerichtet und eine innere, uralte Stimme drängt mich vorwärts, hin zu den sechs Eiben oben am Weiher. Nur heute singen sie, das weiß ich. Der Mond steht als zarte Sichel tief am Himmel, die tanzenden Schatten und Düfte von Mäuseangst, Maiglöckchen, welkenden Apfelblüten und Menschen lenken mich nicht von meinem Ziel ab. Dort bei den Eiben ist es dunkel. Die Töne der Eiben schwellen langsam auf und ab, weben ein Muster durch Zeit und Raum. Ich lasse mich nieder und verharre gespannt, den Schwanz gerade auf der Erde von mir gestreckt, gut mit der Erde verbunden. Bilder entstehen in meinem Innern von Zeiten, in denen hier nur Felder waren, am Rand des großen Hofes. Menschen zogen in jener Nacht in einer Prozession mit Fackeln und Gesang die Feldränder entlang, um sie mit Fruchtbarkeit für das Jahr zu segnen. Sie sprangen über ein Feuer auf dem Hofplatz mit wilden, fröhlichen Gefühlen: frei, ihre Wünsche in die Welt zu rufen und sie durch das Feuer zu entzünden. Sie tanzten, lachten und tranken viel. Einige Paare zogen sich in die Dunkelheit auf die Felder zurück und liebten sich auf der feuchten Erde, um alles Lebendige zu befruchten. Andere bitzelten sich gegenseitig mit Birkenreisig ab, um sich zu erneuern.

Die Luft ist erfüllt mit Wissen und Bildern vergangener und gegenwärtiger Zeiten – die Energien strömen durch alles Lebendige hindurch, vermischen sich und werden neu geboren. Ich blinzele und bewege meine steifen Muskeln aus meiner Sphynx-Haltung heraus, als die Bilder sich ändern. Die Zeiten verschieben sich und ich verstehe, dass die Energien, Erinnerungen und Geschehnisse nicht nur hier im Eibengesang gespeichert sind. Jeder Ort auf Mutter Erde hat sein eigenes Lied, gestaltet von allem, was jeh dort passiert ist. Und alles ist miteinander in Verbindung, sodass ich sogar kurz mit den Katzen von Kassandra, Nofretete und Michelle Obama in Kontakt treten kann. Ein berauschendes Gefühl. Alles Wissen steht mir zur Verfügung, flüchtig und mächtig und alles verbindend, ich spüre es. Meine Menschen habe ich schon davon sprechen hören als morphogenetisches Feld, jetzt weiß ich, was sie meinten. Diese Nacht hat es in sich, aber das Gewebe besteht ja immer weiter in Zeit und Raum, spüre ich noch. Meine Nase juckt, ich muss schrecklich nießen. Die Verbindung ist weg, weil so ein frecher Blütenstaub in meiner Nase kribbelt. So muss es meinen Menschen bei Meditationen gehen, hab ich schon beobachtet.

Ich strecke und dehne meine ansehnlichen Muskeln, zeige gähnend mein eindrucksvolles Gebiss und putze mich erstmal ausgiebig – jetzt, da die Verbindung futsch ist. Doch was ist das? Kichernde Frauen kommen auf den Hofplatz und entfachen ein Feuer, bitzeln sich mit Birkenreisig, kehren mit bunt geschmückten Reisigbesen Verstaubtes fort und springen Wünsche rufend über das Feuer. Ich habe das Gefühl, die Eiben lächeln in sich hinein und in die wilde Nacht, die tief in das Weltengefüge hineinwirkt. In der Sandkuhle zwischen den Eibenwurzeln mache ich es mir gemütlich, schaue mit einem Auge den wilden Frauen zu und lächle mit den Eiben mit.

AnaNut

Blühender Rododentron Busch

Beltane

Maibaum auf einer grünen Wiese

Wilde, sinnenfrohe Zeit … die Sonne hat sich endgültig den Himmel erobert und strahlt ihre Feuerkraft herab auf die Erde.

Der Sonnengott freit um die junge, schöne Erdentochter. Diese hat sich mit den süß riechenden Pflanzen geschmückt und tanzt mit ihm in der Beltane-Nacht. In manchen Orten wird der Maibaum aufgestellt. Ein Pfahl, der einen Kranz aus frischem Grün trägt, und ihn durchdringt. Symbolisch stellt er die heilige Hochzeit dar. Früher wurde um ihn herumgetanzt und ausgelassen gefeiert, und viele Paare fanden sich zusammen und haben die Riten der Erdentochter und ihres Heros vollzogen. Noch heute wird an vielen Orten zum Maitanz aufgespielt. Ein Abglanz der alten Feste.

Und die Natur nimmt die Freude und Sinnlichkeit auf, die Elfen und Feen, die Zwerge und Gnome, alle tanzen ihren Tanz der Ekstase. Und auch uns wilde weise Frauen zieht es in diesen Maiennächten hinaus, um im Rhythmus der Natur aufzugehen. Wir tanzen, singen, trommeln, entzünden Freudenfeuer und springen darüber. Wir rufen dabei laut aus, was wir uns sehnsüchtig wünschen.

In unseren Ritualen feiern, stärken und intensivieren wir unsere Liebeskraft und unser Lebensfeuer auf allen Ebenen. Wir feiern unser wildes, freies, wahres Selbst, wir wirken für die Entfaltung der Kraft des Weiblichen auf allen Ebenen. Wir stellen unseren eigenen Maibaum auf und verweben beim Tanz mit den bunten Bändern unsere Gemeinschaft aufs Neue. Und wir können die magische Maibowle „brauen“: mit dem duftenden Waldmeister und perlendem Sekt.

Rhiannon

Schneeklöckchen

Brigid Lichtmess

Noch hat Frau Holle das Regiment. Die Tage sind kurz, es ist grau und kalt. Immer wieder erinnert Frau Holle uns daran, dass sie diese Jahreszeit regiert. Sie schickt Eis und Schnee, Regen und Nebel. Die Menschen sehnen sich nach Helle, nach Sonne und nach Leichtigkeit. Doch die Alte Weise weiß, dass sie noch die Pflanzen in der Erde schützen und den Winterschlaf der Tiere bewachen muss.

Und doch:

Ganz allmählich ändern sich die Tage. Zaghaft zwitschern die ersten Vögel, und manchmal duftet es nach Frühling. Die ersten Schneeglöckchen sind zu finden. Ganz tapfer trotzen sie dem noch kalten Wetter und öffnen ihre Kelche. Wenn du ganz nahe heran gehst, dann kannst du hören wie ihre zarten Glöckchen klingen. Sie sind es, die tief in der Erde die Frühlingsgöttin Brigid aufwecken. Noch immer vom Schlaf umfangen, träumt sie den Traum von Sonnenlicht und hellen Tagen.

Bald werden die Glöckchen sie geweckt haben, sie wird erwachen und in ihrem weißen Kleid die Fluren durchstreifen. Wo sie hintritt, werden die Blumen und Tiere in der Erde wach und bereiten sich auf die Zeit des Keimens und Aufblühens vor. Ein sanfter Ton wird in den Lüften schwingen.

An Lichtmess wird sie von der alten Frau Holle das Zepter übernehmen, und als junge leuchtende Göttin die Welt wieder zum Blühen erwecken.

Auch wir Menschen werden wieder aus dem Schatten des Winters heraustreten und uns bereit machen für die helle Zeit. Wir können an Lichtmess um neue Ideen, Inspiration und Kreativität bitten. Um ein neues helles Licht, das uns leuchtet.

Und wir können uns bereit machen für diese Zeit, mit einem kleinen Ritual:

Wenn du in deinem Garten, auf einer Wiese ein Schneeglöckchen findest, oder auf dem Markt kaufen kannst, frag es ob es mit dir kommen will. Mach nach altbewährtem Muster einen Kreis, lade die Elemente ein und die Göttin Brigid, für die du eine Kerze entzündest. Stell das Blümchen in die Mitte deines Kreises. Geh mit ihm in Kontakt, werde still und lausche. Bitte um eine Inspiration für die kommende Zeit. Und wenn du dann das zarte Glöckchen hören kannst, dann weisst du, dass Brigid dir den Wunsch erfüllt. Geh noch tiefer in deine Meditation, und lass Brigid zu dir sprechen und dir zeigen, welche Inspiration sie dir schenkt.

Bedanke dich bei der Göttin auf deine Weise. Die Kerze, die du für sie entzündet hast, kann dir eine Wegbegleiterin für die nächsten Tage sein.

von Rhianon