Fulla von Andres Dechant

GÖTTIN  FÜR  DEN MONAT MAI  2022

Fulla von Andres Dechant

Fulla

Die Heiterkeit dieser Maientage widerspricht aller Besorgnis, die viele von uns mit sich tragen. Sie ist heilend, diese Maienzeit. Der Mai gilt traditionell als der lieblichste und magischste von allen Monaten, der Sommer beginnt, die Plejaden sind aufgestiegen und der Holunder  bedeckt  sich mit seinem  weißen Lebenskleid.

Dies ist die Zeit der germanischen Göttin Fulla, die uns Leichtigkeit und Fülle schenkt.

Fulla mit ihren langen wehenden Haare ist eine große Schönheit,  und  ihre zarte Gesichtsfarbe spiegelt das Rosenrot der Morgenröte und der aufgehenden Sonne. Ihre Juwelen sind die Tautropfen auf den Wiesen, und die bunten Blüten sind ihr Zaubergewand. Sie vertreibt das Böse, sei es in der Welt, oder  auch  in Träumen und schlimmen Erinnerungen, und sie  schenkt blühendes Leben. In Ihrem Wesen spiegelt sich die Wirklichkeit des Lebens, und einer Welt, wie sie eigentlich  gemeint ist, und wie wir sie  als Menschheit immer wieder  auf neue verfehlen. Dennoch  ist die Göttin Fulla und das, was sie uns schenkt, die eigentliche und  liebende Ordnung der Großen Mutter.

Fulla schenkt Leichtigkeit und Fülle auf Schritt und Tritt. Sie  ist die Göttin der edlen Steine und wacht über die Schatzkammern der Erde. Fulla ist auch  die Hüterin von Geheimnissen und verborgenen Schätzen, von unentdecktem Reichtum: In uns selbst und draußen in der schönen Welt.

Und jetzt  ist es höchste Zeit, Fulla draußen in der freien Natur zu finden. Sie hat da und  dort an geheimen Plätzen ihre Schätze verborgen. Auch in  nicht materialisierter Form, als Atmosphäre, in der Erinnerung. Du darfst dich nun  wie alle Schatzfinderinnen auf den Weg machen, losstreifen auf den wilden Pfaden  …  Von weitem zieht dich eine weiße Blütenwolke an, und beim Näherkommen ist es die uralte Hollerin, die ihr knorriges, sprödes Holz, ihr  grünes Unterkleid mit weißer Blütenfülle zudeckt. Einladend lockt sie dich zu sich, und du nimmst auf ihrem Wurzelfuß Platz, lehnst dich an sie. Sie flüstert dir zu: Es sind deine eigenen Schätze, die du finden darfst, steige hinab ich in die Untere Welt, in unbekannte Räume und  beginne zu träumen.  Spüre deinen Schätzen nach, den verlorenen, alten, neuen, noch unbekannten …

Und so überlässt du dich in Frau Holles Höhle unter ihren Wurzeln dem Finden, Auffinden, dem Spüren nach deinen eigenen Schätzen …

Nach geraumer Zeit stehst du wieder auf, schüttelst und reckst dich, setzest einen Fuß vor den anderen, spürst, witterst, verbindest dich mit der Geistin … Leichtigkeit führt dich an der linken Hand, Fülle hält dich rechts.  Und dann findest  du in dem ausgebreiteten Röckchenschoß eines Frauenmantels verborgen das taufunkelnde Juwel, das in allen Farben schillert, glitzert. Irgendwie ist es deine Seele, die dir  im Juwel des Frauenmantels zulächelt …

Fulla ist mit dir, und mitten in dieser Welt fühlst du dich eingehüllt in die liebende Ordnung der Großen Mutter.

Bild: Fulla von Andres Dechant

Avesta