Kornfeld mit Mohn

GÖTTIN FULLA, DIE GÖTTIN DER FÜLLE

In der Mittsommerzeit können wir Fulla, die Göttin der Fülle, in der Natur so intensiv wie sonst nie im Jahreskreis erleben. Jedes winzige Fleckchen Erdboden ist im Frühsommer von Kräutergrün und Blütenfülle bedeckt. Und lösen wir unseren Blick von der Erde, dann erscheinen die Stauden und Büsche in berauschender Blütenfülle, und die Düfte der Rosen, Lilien und von Yasmin und all den anderen Kindern der Fulla umschmeicheln uns. Heben wir dann unseren Blick zu den Bäumen, betört uns der beglückend-trostreiche Lindenduft, noch ehe wir die Blüten der Linde erkennen.

Fulla ist die jüngere Verwandte der Göttin Freya, sie kommt aus der Welt der Asen, aus der nordischen Tradition. Sie hat lange, lichtvolle wehende Haare, ihre Juwelen sind die Tautropfen auf den Wiesen, ihr Gewand sind die von Juwelentau benetzten Spinnweben. Sie ist der Inbegriff weiblicher Jugendschönheit. Fulla ist es, die in ihrem überströmenden Wohlwollen für die Menschen Segen und Reichtum spendet. Fulla ist Reichtum und Überfluss, der ganz von allein entsteht und sich einfach verschenkt. Fulla schenkt ihren Anhängerinnen ein sinnliches und leichtes Leben in Fülle. Fullas magisches Wirkzeug ist das Füllhorn, das mit seinen Gaben alle beschenkt, nicht nur die Reichen und Wohlhabenden, sondern Alle. Sie lässt uns erfahren, wie Reichtum und Fülle nicht wie im Kapitalismus durch Aneignung des Mehrwertes, durch Ausbeutung und Plünderung angesammelt werden. Sondern dass Reichtum und Fülle ein Ausdruck der natürlichen Ordnung des Universums ist, der sich ganz von allein dann manifestiert, wenn wir in Harmonie und Einklang leben.

Fulla drückt das wesentlichste Prinzip der mütterlichen Ordnung aus: die Selbstverständlichkeit des Schenkens und Beschenktwerdens. Die Natürlichkeit des einfachen Gebens. Fulla schafft zwischen uns Menschen und der Mutter Erde ein elementares Gefühl des Verbundenseins, das uns über Dankbarkeit für ihre Gaben zutiefst mit der Mutter Erde verbindet. Fulla webt das soziale Band, die Bindung zwischen Menschen und unserer Mutter Erde.

Sie lädt uns ein, es ihr gleich zu tun, indem auch wir in den sozialen Räumen, in denen wir Einfluss haben, die Kultur des Schenkens wieder aufbauen. Indem wir von ihr lernen, können wir all den unsichtbaren Reichtum, der sich in den Falten und Nischen des Alltags versteckt hat, entdecken und erkennen und weiterschenken. Denn Fulla ist auch die Göttin des unentdeckten Reichtums

Göttin Fulla ist es, die hinter dem Sinn und Geheimnis unserer Ethik des Schenkens auf dem Weg der Weisen Frauen steht.

Avesta

Bild: Bidget