Jedes Jahr aufs Neue erfreue ich mich an den weichen, kuscheligen Weidenkätzchen, die manchmal schon im Februar oder März erscheinen. Ihre frühen Pollen sind für viele Tiere, insbesondere Bienen und Hummeln, eine wichtige erste Nahrungsquelle. Mit ihrer zeitigen Blüte sind sie ein Symbol für das Erwachen der Natur nach dem langen, kalten Winter.
Jetzt, da die Lichtkräfte immer stärker werden, ist der Aufbruch, das frische Grün, die unbändige Lebenskraft so deutlich spürbar und doch bei all dem wilden, unbändigen Heraustreten, sind für mich die Weidenkätzchen gleichzeitig Sinnbild von Zartheit und Nähren. Die flauschigen, silbrig-grauen Blütenstände, liebevoll „Kätzchen“ genannt, erinnern mit ihrer Form und Weichheit an kleine, sanfte Tierpfötchen. Der neue Lebensimpuls der Weide ist so voller sanfter Schönheit, und mir kommt der Gedanke, vielleicht braucht es gerade jetzt Mut und Kraft, sich „für das zarte im Leben“ einzusetzen – für die Pflanzen, für die Tiere, für die Gemeinschaft, für all das, was uns nährt, weich ist und verbindet.
Wir haben im Frühling die kosmische Unterstützung dazu, mit Mut und Wildheit ins Leben zu treten, uns heraus zu wagen. Diese Kraft brauchen wir, denn die Kälte kann unverhofft zurückkehren und wir müssen manchmal Rückschläge hinnehmen. Mit dem Frühlings-Impuls können wir immer wieder aufstehen und der Kälte trotzen. Das Heraustreten braucht Schutz sowie starke Willenskraft, so ist das Wilde und das Sanfte beides wichtig. Sichtbar auch im Nestbau der Vögel, die für ihre Eier und das neue Leben ein kuscheliges Heim bauen. Zu Ostara mache ich für mein rotes Ei solch ein Nest, gebe Moos und die weichen Weidenkätzchen hinein. So bette ich meinen Wunsch für das neue Lichtjahr liebevoll und lade das Ei gleichzeitig mit der Knopsen-Energie der Weide auf.
Weidenkätzchen waren immer schon magisch und für unsere Ahnen von großer Kraft. So hat der heidnische Brauch des Palmwedels in der Kirche am Palmsonntag überlebt. Hier werden um die Weidenzweige mit ihren Kätzchen Buchsbüschel, gefärbte Eier, Bänder usw. gebunden. Dieser Palmwedel wird geweiht, gesegnet und mit lebendigem Quellwasser aufgeladen. Wie in alten Zeiten wird damit Haus und Hof geschützt. Früher wurden die Wedel auch zusammen mit der Kohle vom Osterfeuer in die Ecken der Felder hineingesteckt oder vergraben, um die Erde fruchtbar zu machen.
Die Weide selbst steht seit Urzeiten mit der Mondin und der weiblichen Kraft in Verbindung, sowie mit Heilung, Magie und Biegsamkeit. Wenn du für diesen wunderbaren Baum einen Platz in deinem Garten findest, dann bitte eine Weide um einen Zweig, steck ihn in die Erde oder in eine Vase mit Wasser – er wird wurzeln und wachsen. Zu dir kommt dann ein Baum/Strauch, der dich mit der Mondkraft verbindet, dich mit seinen Kätzchen sanft streichelt und dir Eingebungen schenkt, wenn du dem Wind in der Weide lauschst. Sie ist eine „Augenweide“ voller Lebenskraft und nützlich zugleich. Zu beachten ist, dass sie unter Naturschutz steht. Und zwischen dem 1. März und dem 30. September dürfen Sträucher grundsätzlich nicht beschnitten oder entfernt werden, zum Schutz der Nistplätze und der Rückzugsräume für unsere Schwestern aus der Tierwelt.
Bridget
Bild: AnaNut


