Die Heilige Hochzeit ist ein uraltes, archetypisches Bild, welches sich über Jahrtausende hinweg in Mythen und spirituellen Lehren findet. Sie steht für die Vereinigung von Polaritäten und für den heiligen Moment der Liebe, in dem wir frei vom Ego uns hingeben und vereinen. Dabei wird durch die Vereinigung sich ergänzender Gegensätze, im schöpferischen Prozess, etwas Drittes neu erschaffen (z.B. Frau und Mann erschaffen ein Kind).
Sichtbar zeigt sich der schöpferische Prozess jetzt im Wachstum der prallen Natur, denn es ist die Zeit der Fruchtbildung. Und die Göttin, so heißt es, vollzieht die Heilige Hochzeit mit dem Land an der Mittsommernacht, wenn die wilden Freudenfeuer und lebensfrohen Feste die kosmische Energie der Sonne feiern. In diesem magischen Moment verbinden wir uns auch mit der Mondkraft, mit der Nacht. Denn der Höhepunkt der Sonne ist auch ihr Wendepunkt: Selbst wenn der Sommer erst beginnt, werden die Tage wieder unmerklich kürzer. Für unsere Vorfahrinnen war das Fest der Fülle zutiefst verbunden mit der Heiligen Hochzeit und der Wende, in der wir uns im klaren Bewusstsein des Lichts der Nacht hingeben und uns für das Mysterium der Liebe öffnen.
Heute richten wir uns vor allem nach dem Licht aus, doch für unsere Ahnen war die Dunkelheit ebenso heilig. Sie war das Symbol der Gebärmutter, aus der alles Leben hervorgeht – der Schoß der Großen Mutter, die das ganze Universum gebar und durch ihre Liebe nährt. Und so ehrten unsere Ahnen am längsten Tag auch die kürzeste Nacht, die Dunkelheit und die Begegnung mit der Mondkraft.
Diese kosmische Vereinigung finden wir auch in der Astrologie: Am 21. Juni betritt die Sonne das Wasserzeichen Krebs und die Mondgöttin betritt die Bühne, die Herrin der Zyklen des Lebens. Sie ist es, mit der wir Frauen zutiefst verbunden sind, die uns mit ihren Zyklen im Lebensrad führt als Junge, Mutter und Alte und deren Rhythmus wir mit unserer Blutung folgen. Sie verkörpert das Empfangen, das Nähren, das Lösen, das schöpferische Potenzial. Ihre Energie erinnert daran, dass alles Wachstum aus der Verbindung der Liebe und Hingabe entsteht.
Die Sonnenkraft in ihrer höchsten Ausdehnung verbindet sich
an der „Heiligen-Hoch-Zeit“ mit der
Mondin und steht für die uralte Sehnsucht nach Ganzheit und Schöpfung.
Es berührt mich zutiefst, dass dieser kosmische Wendepunkt im weiblichen Wasserzeichen Krebs stattfindet. Astrologisch ist es die erste Begegnung nach dem Frühlingspunkt (nach Widder-Feuer, Stier-Erde, Zwilling-Luft) mit einem Wasserzeichen. Es beschreibt die kardinale Kraft, sich aktiv für die Gefühle, das Empfangen und die schöpferische Führsorge zu öffnen; bereit zu sein für die Hingabe an die Sippe oder Familie, an das Mitgefühl, an unser innerstes bedürftiges Kind und an die Basis, auf der alles ruht, die Mutterkraft.
Die große heilige Mondin regiert das Tierkreiszeichen Krebs
und steht am höchsten Punkt der Sonnenkraft.
Das kann gar nicht oft genug gesagt werden, nur müsste es noch in unseren Bauch, Herz und Kopf ganz ankommen, welch nährender Schatz dies für unser Menschsein bedeutet. Im höchsten Licht tritt die mütterliche Strahlkraft, Geborgenheit, Hingabe und Führsorge ins Zentrum – jene Kraft, die die Welt so dringend braucht. Für unsere Entwicklung können auch wir sie nutzen, denn die Mondin steht für unsere Seelenkraft. Jetzt, im warmen Licht der Sonne, können wir unsere verdrängten, verborgenen Teile aufspüren und liebevoll annehmen, und damit die „Heilige-Hoch-Zeit“ zur Ganzheit auch in uns selbst vollziehen. Und so wünsche ich zur Sommersonnwende:
Erlaube dem verborgenen Teil in deinem Inneren
mit der Sonne zu tanzen.
Drei Sonnwendbräuche
- Glühwürmchen leuchten genau um die Mittsommernächte. Wer verliebt ist und Glühwürmchen in der Nacht der Sommersonnenwende sieht, dessen Liebe steht unter einem guten Stern.
- Ein Sprung durch das Sonnwend-Feuer vertreibt böse Geister und stärkt Wachstum und Fruchtbarkeit. Einem Pärchen, das händchenhaltend den Sprung über das Feuer schafft, wird eine Hochzeit vorausgesagt.
- Ein in der Mittsommernacht gezeugtes Kind soll besonders gesegnet sein.
Bridget
Bild:Bridget


