Unser nächstes Fest auf dem Jahresrad ist das Fest der weißen Göttin: Lichtmess.
Dieses Fest hat neben der astrologischen und spirituellen Bedeutung im Lauf der Zeit ganz unterschiedliche Schwerpunkte und unterschiedliche Inhalte. Ein paar davon will ich euch vorstellen:
Zuerst einmal Imbolc
Imbolc ist ein Fest der Stille, und bedeutet „im Bauch“. Im Sinne von „noch ist alles im Bauch von Mutter Erde“. Alle Samen liegen noch wohlbehütet in ihrem warmen Schoß, aber mit zunehmender Helligkeit und Wärme regen sich die Elementarwesen und die Fruchtbarkeitsgeister. Sie räkeln und dehnen sich und steigen aus der Erde. Allen voran der Bär! Der zottige Gefährte der weißen Göttin. Er ist noch recht steif, schlaftrunken und hungrig und steckt an Imbolc zum ersten Mal seine Nase aus der Höhle, um zu sehen, wie weit der Frühling schon gediehen ist. Er hält Ausschau nach seiner Braut, der Frühlingsgöttin, denn der Bär ist kein anderer als der wiedergeborene, noch verhüllte jugendliche Sonnengott.
Schlenkerltag
Der 2. Februar war auch Schlenkerltag, der Tag, an dem Dienstboten ihren Arbeitsvertrag beendeten oder noch einmal erneuern konnten. Bis zum Antritt der zum Beispiel neuen Arbeitsstelle gab es Schlenkerlweil-Freizeit, in der man feierte und fröhlich war. Damals besiegelte ein schlichter Handschlag ohne schriftliche Vereinbarung die Arbeitsverträge, welche immer verlangten, ein volles Jahr zusammenzubleiben.
Lichtmess war also auch ein wichtiger Tag im Wirtschaftsjahr. Ein Zahl- und Zinstermin wie auch an Martini. Wer von den Mägden und Knechten gehen wollte, sagte dem Bauern Bescheid und verließ den Hof.
Kerzenfest
Früher wurden in der Winterzeit aus dem Talg der im Herbst geschlachteten Tiere Unschlitt-Kerzen gefertigt. Auch die kostbaren Wachskerzen entstanden in Heimarbeit während des Winters. Zu Lichtmess wurden die neu gefertigten Kerzen dann geweiht. Das Wachs von an Lichtmess geweihten Bienenwachskerzen hat eine hohe Schutzkraft und bringt Licht und Freude, denn es enthält das sanfte Licht des Sommers.
Bridget oder Brigid
Die brennende Kerze symbolisiert das neuerwachte Licht – und die keltische Feuergöttin Brigid.
Brigid ist die Beschützerin des neugeborenen Lebens. In der keltischen Tradition wird von Sonnenuntergang des 1. Februar bis zum Sonnenuntergang des 2. Februar das Fest der Göttin Brigid mit großen Feuern gefeiert.
Brigid und Maria Lichtmess
Die Kelten begrüßten Brigid mit einem Feuerfest und befragten das Orakel.
Auch Probe-Ehen für ein Jahr wurden an diesem Tag geschlossen.
So beliebt war die holde Göttin, die Dichterinnen, Heilerinnen und Zauberer gleichermaßen inspiriert, dass selbst die Christen nicht auf ihr Fest verzichten mochten. Sie tauften das Imbolc-Fest in Maria Lichtmess um.
Schneeweißchen und Rosenrot

Ihr alle kennt sicherlich das Märchen „Schneeweißchen und Rosenrot“. Lest es nocheinmal durch. Der Bär bleibt in der Tür hängen und unter seinem Pelz verborgen leuchtet Gold, denn es steckt ein junger Prinz darin – der junge Sonnenkönig.
Und die beiden Mädchen „Schneeweißchen“ und „Rosenrot“ verkörpern, wie ihr symbolträchtiger Name schon besagt, die junge Göttin Brigid. Ja und die alte Mutter, die dem Bären im Winter Zuflucht gewährt hatte, ist niemand anderes als die alte Erdmutter, die Frau Holle oder auch Frau Percht.
Wenn wir die alten Märchen mit diesem Wissen lesen, sehen wir, wie auf ganz versteckte Weise das alte Wissen und Kulturgut weitergetragen wurde.
Wachrütteln von Bäumen und Pflanzen
Wer hellsichtig genug war, konnte Brigid auf einem Hirsch reiten sehen, wie sie die Samen weckte und die Bäume wachrüttelte, sodass die Säfte wieder zu fließen begannen. Sie verkörpert die Kräfte des Ostens und des neuen Morgens.
Storl schreibt: „Noch immer gibt es alte Bauern, die am Lichtmesstag ihre Obstbäume wachrütteln und den Bienen im Stock die frohe Botschaft verkünden.“
Nach Brigid wurden Flüsse und Städte benannt: Bregenz, Brigantia, Braganca in Italien, Brig in Wallis, die Ebene Brega in Irland. Der Bär, der die Fruchtbarkeit bringt, und die Bienen, aus deren Waben goldgelbe Kerzen gemacht werden, sind die Lieblingstiere der weißen Brigid.
Rhiannon


